Die Deutsche Bahn will aus der „überlasteten Infrastruktur ein Hochleistungsnetz machen“, sagte Vorstandschef Richard Lutz am Montag und kündigte ab dem Jahr 2024 eine Generalsanierung wichtiger Streckenabschnitte an. Er sprach von einem „Paradigmenwechsel in der Infrastruktur“. Hintergrund ist das Ziel, den Bahnverkehr deutlich auszubauen, dabei aber den Sanierungsstau im Netz zu bekämpfen. „Wir müssen dieses Thema grundsätzlicher und radikaler angehen“, so Lutz. Er betonte deutlich, es sei besser, alles auf einmal zu erneuern, als Stück für Stück nacheinander. Gleichzeitiges Wachsen und Modernisieren sei nicht mehr mit guter Betriebsqualität und Pünktlichkeit möglich.

Dass alle Beteiligten künftig mehr leiden werden, schloss Lutz nicht aus: Demnach müssten sich Bahnkunden auf längere Sperrungen und Umleitungen einstellen. Erste Eckpunkte, wann und wo gebaut wird, sollen vor der Sommerpause stehen. Sobald ein Abschnitt saniert ist, soll er dann jahrelang „baufrei“ bleiben.

Außerdem räumte Lutz ein, dass die DB ihr Pünktlichkeitsziel im Jahr 2022 nicht mehr erreichen werde. Dieses Jahr seien bisher knapp über 70 Prozent der Fernzüge pünktlich gewesen. Man müsse kein Prophet sein, um zu sehen, dass die angestrebten 80 Prozent im Gesamtjahr nicht erreicht werden. Die Bahn werde „signifikant“ darunter liegen, so Lutz: 

„Das ist nicht schön, das ist alles andere als erfreulich.“

Die Generalsanierung sei richtig und notwendig, kommentierte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Klaus-Dieter Hommel, das Vorhaben. Man habe die Instandhaltung „sträflich vernachlässigt“. Dies betreffe nicht nur Nebenstrecken, sondern das 3.500 Kilometer lange Kernnetz. Die angekündigte Maßnahme werde jedoch dazu führen, dass die Kunden durch ein „Tal der Tränen“ gehen werden: „Es wird Jahre dauern, bis es besser wird. Aber die Kunden werden das honorieren, weil die Situation auf der Straße auch nicht besser wird und sie umweltbewusst sind“.

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