Der für heuer prognostizierte Anstieg der Privatkonkurse dürfte auch Diskussionen um das nicht mehr zeitgemäße Insolvenzrecht in Österreich entfachen, welches nach Ansicht von Finanzfachleuten nicht dazu geeignet ist, den Schuldnern einen unbelasteten Neuanfang zu ermöglichen. Dies berichtet das Magazin „Wochenblick.at“.

Weiter berichtet das Magazin: „Durch einen Privatkonkurs geraten viele der wirtschaftlich
Gestrandeten dann oft endgültig in die Armutsfalle. Der EDV-Techniker
Norbert P. (Name verändert) aus Mondsee, hofft, dass es ihm letztendlich
nicht so ergehen wird. Im Moment weiß er allerdings noch nicht, was ihm
die nahe Zukunft bescheren wird. Aber er kennt die Gegenwart und die
ist für ihn ziemlich prekär. Denn durch die Scheidung von seiner Frau
und den damit einhergehenden Alimentezahlungen (auch für zwei Kinder)
geriet sein bis dahin gut florierendes Einzelunternehmen in Schieflage,
zumal in der Corona-Zeit auch die Geschäfte schlechter zu laufen
begannen. Die steigenden Preise und die damit verbundene Verteuerung des
Lebens gaben Norbert P. schließlich den Rest.

Von der Hand in den Mund

Eines Tages konnte er seine laufenden Kosten nicht mehr stemmen und
Anfang April schlitterte er in den Privatkonkurs. Seitdem lebt er in der
Wohnung eines Freundes, weil er sich eine eigene Bleibe nicht mehr
leisten kann und quasi von der Hand in den Mund lebt, wie er verbittert
erzählt. Denn bis zum heutigen Tag habe er lediglich 120 Euro vom AMS
bekommen, sagt Norbert P., der ohne die Unterstützung seiner Familie
schon komplett am Ende wäre. Man frettet sich ebenso durch. Einziger
Lichtblick für ihn ist sein bevorstehendes Konkursverfahren, das – so
hofft er inständig – kein Abschöpfungsverfahren werden möge, sonst könne
er sich gleich begraben lassen.

Kein Abschöpfungsverfahren

Käme dieses nämlich zur Anwendung, bliebe ihm gerade so viel Geld,
dass er gerade noch existieren, aber sich keinen Meter mehr rühren
könnte.
Das aber müsste er, sonst könnte er seinen Job nicht mehr
erledigen, den er für die Anwendung eines Abschöpfungsverfahrens
benötigte. Angenommen, Norbert P. hätte wieder eine Beschäftigung als
EDV-Techniker, bei der er 1600 Euro netto monatlich verdienen würde,
dann blieben ihm als Vater von zwei Kindern, für die er natürlich
bezahlen muss, laut Pfändungsrechnertabelle nur noch etwa 1000 Euro zum
Leben. Davon müsste er dann die Wohnung, sein Auto und sein Essen
bezahlen.

Zwischenstopp gefordert

Wieder auf solide Beine käme er damit nicht. Daher gehöre die
Insolvenzordnung schnellstens geändert, betont der Schuldnerberater
Johann Hüttmair und schlägt vor: SVS und Finanzamt sollten die jeweils
aufgelaufenen Schulden (bei Stellung eines Antrags) auf 20 Prozent
reduzieren. Darüber hinaus sollte auch die familienfeindliche
Exekutions-Tabelle zugunsten der Gläubiger auf Halbe/Halbe reduziert
werden und auch einen automatischen Zinsenstopp bei Exekutionen sollte
es geben. Ansonsten werden bald viele in der Obdachlosigkeit landen.
Norbert P. hofft nun, dass das Gericht einen von ihm vorgelegten
Zahlungsplan akzeptieren wird.“

Quelle: Wochenblick



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