Da die STIKO von einem erneuten Anstieg von Corona-Infektionen im Herbst und Winter ausgeht, hat sie „vorsorglich“ eine Impfempfehlung für 5- bis 11-Jährige ausgesprochen. Der Virologe Alexander Kekulé kritisiert dies. Es gebe kaum schwere Erkrankungen, eine Übertragung des Virus werde durch die Impfung nicht verhindert. Dies berichtet das Magazin „RT DE“.

Weiter berichtet RT DE: „Die Ständige Impfkommission (STIKO) teilte am Dienstag in einem Beschluss
zur „20. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung“ mit, dass sie
„nach sorgfältiger Abwägung aller verfügbaren wissenschaftlichen Daten“
ihre bisherige Position zum Thema Kinder-Impfungen aktualisiert habe. So
heißt es im Beschluss:

„Neuerungen in dieser Aktualisierung – Generelle Impfempfehlung für 5 – 11-jährige Kinder mit zunächst einer Impstoffdosis.“

Das
Robert Koch-Institut, bei dem die 18-köpfige Expertengruppe der STIKO
angesiedelt ist, begründet in einem Video den Kurswechsel der
Institution unter anderem wie folgt:

„Die STIKO
hat ihre Empfehlung jetzt angepasst, weil sich in der Zwischenzeit
aktuell Änderungen ergeben haben in der Datenlage.“

Die Empfehlung aus dem Winter 2021/22, dass nur Kindern aus
Risikogruppen mit Vorerkrankungen eine Corona-Impfung nahegelegt würde,
hätte sich aktuell dahingehend geändert, dass für den Sommer 2022 für
die STIKO nun gelte, dass „Kinder, die nur einmal infiziert worden sind,
für die Zukunft noch keine ausreichende Basisimmunität bekommen haben“.
Diese könnte bei allen gesunden Kindern durch eine einmalige
Corona-Impfung „optimiert werden“, erklärte STIKO-Mitglied Martin
Terhardt.

Der Virologe und Epidemiologe Dr. Alexander Kekulé zeigte sich in der jüngsten Ausgabe des MDR-Podcasts „Kekulés Corona-Kompass“ bezüglich der Aussagen der STIKO irritiert. Auf der Seite des MDR heißt es:

„Er
[Kekulé] halte das für nicht nachvollziehbar. Durch Omikron sei die
Schwere der Erkrankungen für Kinder absolut in den Keller gesackt. Auch
für das seltene MIS-C-Syndrom gebe es bei dieser Virusvariante nur noch
ein extrem geringes Risiko. Zudem werde die Übertragbarkeit des Virus
weder bei Kindern noch bei Erwachsenen durch die Impfung nennenswert
verhindert.“

Die STIKO hätte bezogen auf Daten
der Delta-Variante laut Kekulé regelmäßig betont, dass 5- bis 11-jährige
Kinder „keine schweren Verläufe“ zu befürchten hätten. Ein weiteres
Argument lautete, „die Übertragung des Virus wird durch die Impfung
nicht ausreichend gebremst“. Damit sei die Notwendigkeit einer
Kinder-Impfung „nicht zu begründen“.

Die Omikron-Variante hätte
nun gezeigt, dass „die Schwere der Erkrankungen für Kinder absolut in
den Keller“ gesackt sei. Neueste Daten zum MIS-C-Syndrom
(Multisystem Inflammatory Syndrome, eine postinfektiöse Immunreaktion
nach COVID-Infektion) hätten ebenfalls bestätigt, wie wenige Kinder
dieser Altersgruppe aktuell gefährdet sind. Waren es vorher noch 50 von
100.000 Kindern, so sind es neuesten Studienergebnissen zufolge aktuell 3
von 100.000. Kekulé fragt:

„Dabei wäre es interessant zu verstehen, was sich die STIKO dabei gedacht hat.


Da
ist nicht eine Studie zitiert. (…) Da ist nicht eine Studie dabei,
die irgendwie neu wäre, wo man sagen würde, okay, das sind Daten, auf
die sie sich stützen.


Deshalb muss ich wirklich die Frage stellen, wie kommen die jetzt darauf?“

Dabei
spricht der Virologe Seite 15 des STIKO-Beschlusses an. Unter dem Punkt
„Übersicht zu den wissenschaftlichen Begründungen für die
COVID-19-Impfempfehlungen der STIKO“ wird auf Tabelle 10 – Inhalte der
Aktualisierungen/Neuerungen und Links – hingewiesen. In dieser Tabelle
finden sich jedoch nur 13 Verlinkungen zu alten „Aktualisierungen“
hauseigener STIKO-Publikationen, bezogen auf die genutzte Datenlage im
Januar 2021 bis November 2021.

Der Deutschlandfunk schreibt zur neuen STIKO-Empfehlung:

„Es
gibt keine bahnbrechende neue Studie, aber es gibt inzwischen
Erfahrungen aus den USA. Dort sind zehn Millionen Kinder in der
Altersgruppe fünf bis elf geimpft worden. Auch aus Deutschland liegen
Daten vor. Hier sind mittlerweile etwa eine Million Kinder geimpft
worden. Diese Daten wurden für die Empfehlung ausgewertet.“

Auf
die recht hohe Quote von geimpften Kindern dieser Altersgruppe in den
USA (Impfempfehlung der zuständigen US-Behörde CDC) geht Kekulé
ebenfalls in seinem Podcast ein. Er erklärt, dass die Ausgangssituation
sich elementar unterscheide: „In Amerika haben wir eine wahnsinnig hohe
Quote extrem fettleibiger Kinder zwischen 5 und 11. Es gibt eine sehr
hohe Quote von Kindern in diesem Alter, die medizinisch völlig
vernachlässigt sind.“

Aus einem „Gesamtbild“ in Verbindung mit den
soziokulturellen Rahmenbedingungen von US-Familienstrukturen
entsprechender Gesellschaftsgruppen hätte sich die CDC für ihren Weg
entschlossen. Bezogen auf die Situation in Deutschland und die jüngste
STIKO-Empfehlung resümiert Kekulé: „Diese ganzen Kriterien, die dort in
der Waagschale waren, sehe ich hier nicht. 

„Ich kann es, ganz ehrlich gesagt, nicht ganz nachvollziehen. Ich wüsste gerne, was da gelaufen ist.“

Der Virologe weiter:

„Wenn
man als Fachkommission seine vorher wirklich gründlich begründete
Position, wenn man die um 180 Grad dreht, dann braucht man dafür einen
Grund, da kann man nicht sagen, was interessiert mich mein Geschwätz von
gestern.“

In diesem Kontext irritieren die
Aussagen von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Rahmen
einer Pressekonferenz zum STIKO-Beschluss. Der Minister wörtlich:

„Die
Daten, die wir gesehen haben, die Grundlage der STIKO-Empfehlung
gewesen sind, sind sehr vielversprechend. Wir haben Gott sei Dank ein
sehr günstiges Nebenwirkungsprofil und einen guten Schutz.“

Als mögliche Entscheidungshilfe für Eltern für eine Impfung nannte Lauterbach den Beschluss:

„…
einen Weg nach vorn, und es ist ja auch eine Möglichkeit für die
Kinder, Krankheit, Ausfall, Schulausfall zu verhindern. Die Kinder
müssen die Impfung annehmen, um sich selbst zu schützen.“

Dies sei jedoch nur möglich, wenn „kein Druck“ ausgeübt werden würde.

Die STIKO schätzt, dass „mehr als 77 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen mittlerweile eine Corona-Infektion durchgemacht haben“.

Die Leitung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) „begrüßt
und unterstützt diese heute erschienene Impfempfehlung ausdrücklich, da
sie vorausschauend – über die gegenwärtige Situation hinaus – die
weitere Entwicklung der Pandemie berücksichtigt“. Und weiter:

„Besonders
wichtig aus Sicht der Kinder- und Jugendmedizin ist die Verminderung
der indirekten Folgen einer Infektion wie Isolation und Quarantäne. Auch
wenn dies nicht der Verhinderung der primären Krankheitslast dient,
waren die psychologischen und psychosomatischen Auswirkungen dieser
Maßnahmen während der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche, wie
zahlreiche Untersuchungen gezeigt haben, so belastend, dass es notwendig
und angemessen erscheint, dies zukünftig mit allen Mitteln zu
verhindern.“

Bezogen auf zeitnah zurückliegende
Infektionszahlen und die Daten von Krankenhausaufenthalten von zwei- bis
vierfach geimpften Erwachsenen ist dies eine nur bedingt schlüssige
Argumentation. Der Gesundheitsminister ließ während der
Pressekonferenz dennoch wissen: „Daher schließe ich mich der Empfehlung
der STIKO uneingeschränkt an.“



Quelle: RT DE





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