Schusswaffengebrauch (Symbolbild:Imago)

Nach dem Attentat im texanischen Uvalde mit 19 toten Schülern drehen sie wieder frei, die Naserümpfer und Ankläger des angeblich massenmordenden US-Waffenrechts. Der juristisch erlaubten jederzeitigen und problemlosen Verfügbarkeit von Schusswaffen im „Land of the Free”, so heißt es, sei es zu verdanken, dass dort jeder Irre seine Frustrationen in Blei gießen und in wehrlose Mitmenschen pumpen könne.

Es mag ja vieles stimmen an den Argumenten der Verfechter einer strikteren Gun Control, ich will dies an dieser Stelle nicht diskutieren, aber im Zusammenhang mit den immer wieder auftretenden Schulmassakern sind sie so fehl am Platz wie die reflexartigen sonstigen simplen Schuldzuweisungen an Egoshooter-Games oder Gewaltverherrlichung im Internet. Durchgedrehte Menschen gibt es immer wieder und überall, und ob es sich – wie im vorliegenden Fall – um Außenseiter und Mobbingopfer, um religiös fanatisierte Amok- oder Terrortäter, um eifersüchtige oder emotional zerrüttete Subjekte und Stalker oder im Subjekte im Racherausch handelt: Wer auf diese Weise töten will, fand und findet immer einen Weg, an Schusswaffen zu kommen. Das galt für die bisherigen Schulattentäter in der deutschen Provinz genauso wie für das waffenstarrende Texas. Und: Nicht die Schusswaffen töten, sondern die Menschen, die sie abdrücken.

Vor allem in Deutschland kann man das Genöle nicht mehr hören. Gerade die deeskalativen, dauerfriedfertigen Waffengegner, viele von ihnen bis Oberkante Unterlippe voll von antiamerikanistischen Vorurteilen, sollten besser vor der eigenen Haustür kehren: Das ganze Jahr hört man von ihnen keinen Mucks, wenn es fast täglich überall in Deutschland knallt. Clans in Berlin und Bremen unterhalten regelrechte schwerbewaffnete Privatarmeen. In Duisburg steigt am hellichten Tag eine – sogleich romantisierend dem „Rockermilieu” zugeschriebene – Massenschießerei verfeindeter migrantischen Männergruppen, gegen die Wyatt Earps Gunfight am O.K. Caroll vor 140 Jahren eine Schulhofrauferei war. In Lüdenscheid wird ein 40-jähriger Kirmesbesucher zum Zufallsopfer der Schüsse eines 16-jährigen Syrers. Deutschland hat eines der strengsten Waffengesetze der Welt. Wo haben all diese Täter ihre Waffen her?

Schwerbewaffnete „Schutzsuchende“

Die bittere Wahrheit ist: Wer will, kommt in Deutschland illegal inzwischen leichter an Pistolen als jeder Bürger in den USA auf legalem Wege. Auch ohne große Halb- oder Unterweltconnections ist man in den Frankfurter, Berliner oder Kölner Kiezen mit etwas Herumfragen binnen weniger Stunden gegen Bares im Besitz einer scharfen Kanone. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wieso fragt keiner von denen, die sich übers laxe US-Waffenrecht echauffieren, wieso ausgerechnet in Deutschland, dem Land mit einem der weltweit restriktivsten Waffenrechte, anscheinend jeder „Schutzsuchende“ mit einer herumlaufen kann? Was sind überhaupt Gesetze wert, die offensichtlich keine Bedeutung haben? Auch hier gilt: Gut erlaubt ist womöglich besser als schlecht verboten.

Die Politik hat (und zwar diesseits wie jenseits des Atlantiks) die Aufgabe, Menschen gar nicht erst in Situationen zu bringen, in denen sie Waffen einsetzen – sei es offensiv, aus Aggression oder  aus lebensmüder Verzweiflung, oder defensiv, weil sich die Menschen nicht mehr anders schützen können. Das fängt speziell in Deutschland konkret damit an, dass der Staat endlich wieder sein Gewaltmonopol durchsetzt und eine Nulltoleranzlinie gegenüber der grassierenden Gewaltkriminalität auf unseren Straßen fährt, und reicht bis hin zur verdammten Pflicht der Regierenden, die Bürger nicht weiter fahrlässig durch unkontrollierte Migration, willkürliche Klima-Teuerungen und -einschränkungen, eine fahrlässige kriegerische Außenpolitik und vor allem mutwillig herbeigeführte Versorgungsengpässe in derart existenzielle Nöte zu bringen, dass sie ihrerseits „aufrüsten”.



Source link