Nachdem mit der Ukraine und Russland zwei der größten Getreideproduzenten der Welt in diesem Jahr nicht nach Westeuropa liefern werden, hat die ungarische Regierung die Konsequenzen gezogen und Getreideexporte aus Ungarn untersagt.

Wegen des Preisanstiegs bei Getreide hat die ungarische Regierung am Freitag den Export von Getreide aus Ungarn mit sofortiger Wirkung verboten. Der ungarische Landwirtschaftsminister István Nagy erklärte: „Alle Getreideexporte werden wegen des Preisanstiegs durch den russischen Krieg gegen die Ukraine von der Regierung noch heute untersagt.“ Grund dafür ist die Sorge um die ungarischen Viehzüchter.

Auch der ungarische Ministerpräsident Victor Orbán äußerte sich zu den Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht. Auf einem Kongress des ungarischen Verbands der Bauerngruppen und Genossenschaften sagte er, „das Allerwichtigste ist, dass sich Ungarn aus diesem Kriegskonflikt heraushält“. Es gehe darum zu verhindern, dass „die Ungarn den Preis des Krieges zahlen müssen“.

Zu diesem Zweck kündigte er an, dass die ungarische Regierung die Zuschüsse zu den Agrarsubventionen deutlich erhöhen werde. Diese Erhöhung solle dazu verwendet werden, die inländische Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zu stärken.

Klartext: Wem schaden die Sanktionen langfristig mehr?

Ungarn hat zwar den EU-Sanktionen zugestimmt, aber Waffentransporte aus anderen EU-Ländern in Richtung Ukraine durch sein Gebiet verweigert. Hintergrund ist unter anderem eine ungarische Minderheit in der Westukraine, die unter den gleichen diskriminierenden Gesetzen leidet wie die russischsprachigen Ukrainer.

Ungarn ist mit dem Verbot, Getreide zu exportieren, eines der ersten Länder, das auf die sich abzeichnenden Konsequenzen der russischen Militäroperation und der Sanktionen für die Versorgungslage in Europa reagiert. Da gleichzeitig Getreideimporte aus Russland wie aus der Ukraine nicht möglich sein werden, die Verfügbarkeit von Düngern abnimmt und die Energiekosten steigen, sind in Europa nicht nur Preissteigerungen, sondern auch Produktionsausfälle wahrscheinlich.

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