Die hohen Energiepreise und die angestrebte Klimaneutralität der Bundesregierung samt Umbau der deutschen Wirtschaft kommen der deutschen Industrie teuer zu stehen. Etwa ein Viertel aller Industrieunternehmen stehe demnach vor existenzbedrohenden Problemen – einige Unternehmen wollen ihren Standort ins Ausland verlagern.

Durch die massiv verteuerten Energiepreise sehen 88 Prozent der deutschen Industrieunternehmen eine starke oder sogar existenzbedrohende Herausforderung für ihre Zukunft, wie die Zeit berichtet. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), die von der Rheinischen Post in Auftrag gegeben wurde. In dieser wurden in der ersten Februarhälfte mehr als 400 BDI-Mitgliedsunternehmen befragt.

Dabei kamen bedenkliche Angaben zustande: 23 Prozent der Unternehmen sehen den Anstieg der Energiekosten als existenzbedrohend. Zwei Drittel (65 Prozent) stufen die Situation als eine „starke Herausforderung“ ein. Die Kosten können dabei zum großen Teil nicht an die Endkunden weitergegeben werden, sondern gehen zulasten der Unternehmen, die aber bereits hohe Investitionen für den Umbau hin zu einer „klimaneutralen“ Wirtschaft binden müssen.

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Gut jedes fünfte Unternehmen denkt sogar darüber nach, zeitnah Unternehmensanteile oder Teile der Produktion und Arbeitsplätze in industriefreundlicheres Ausland outzusourcen – 13 Prozent haben das bereits getan. Einen kompletten Umzug des Unternehmens ins Ausland schließen sogar sechs Prozent nicht mehr aus.

Jeder fünfte Betrieb erwägt laut der Umfrage des BDI, Teile der Produktion ins Ausland auszulagern. 

87 Prozent der Unternehmen fordern der Umfrage zufolge rasche, staatliche Hilfen. Die steuerlichen Belastungen des Strompreises müssten rasch verringert werden. 84 Prozent der Unternehmen geben an, dass die Bundesregierung die Regelungen zur Erhöhung der nationalen CO₂-Bepreisung abändern und um Möglichkeiten zur Entlastung von Unternehmen ergänzen sollte.

BDI-Präsident Siegfried Russwurm warnte sogar vor einer Situation wie in den Siebzigerjahren, als mehrere Ölpreisschocks die deutsche Wirtschaft in die Rezession getrieben hatten. Er sagte der Rheinischen Post:

„Die Energiekostensteigerungen sind so hoch wie seit der Ölkrise der 70er Jahre nicht mehr. […] Die steigenden Strom- und Gaspreise drohen die Wirtschaft zu erdrücken. […] Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

Sein Verband befürchte, „dass der rasante Preisanstieg die Produktion in Deutschland immer stärker beeinträchtigt“.

Die Bundesregierung müsse daher die Industrie schnell entlasten, „um einen Exodus von Produktion und Arbeitsplätzen ins kostengünstigere Ausland zu verhindern“. Russwurm betonte nachdrücklich die angespannte Situation:

„Die Lage ist so ernst, dass selbst standorttreue mittelständische Unternehmen aus diversen Branchen über eine Verlagerung ins Ausland nachdenken müssen.“

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