Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Soll Putin die Ukraine angreifen, meinetwegen auch einnehmen. Kiew auch. Jeder hat seine Art, sich in den Ruhestand zu verabschieden. Merkel wollte den Deutschen noch einen Lockdown überhelfen, bevor sie ging. Wir sollten uns wohl von zuhause aus von ihr verabschieden. Putin nähme dann gleich sein ganzes Land in den Ruhestand mit. Denn dann war es das für Russland in den nächsten Jahrzehnten. Das Land, in dem heute schon viele Bürger Kredite aufnehmen, um ihre Lebensmittel zu bezahlen, wie der Präsident selbst in einer seiner „Fragestunden fürs Volk“ zugeben musste.

Die Frage ist nur, warum der russische Präsident sich und seinem Volk das antun würde? Hat er abgewirtschaftet? Ist er nun doch noch zum Spieler geworden?

Sicher, die ganze Krise sieht tatsächlich aus wie eine fulminante Pokerpartie, aber irgendwann muss ja das Blatt auf den Tisch!

Ein Überfall auf die Ukraine wäre für Russland hochgradig selbstschädigend. Ein vernünftiger Mensch kann sich das nicht vorstellen. Das Land wäre augenblicklich isoliert und würde bestenfalls noch am chinesischen Seidenfaden hängen. Auch die sagenhafte Wirtschaftspartnerschaft mit Deutschland wäre zum Scheitern verurteilt. Unser Land würde tief in den Westen hineingezogen werden und müsste sich von Russland verabschieden.

Ja, ja, ich habe schon verstanden. Wir sollen denken, Putin würde angreifen und er tut alles, damit wir das denken. Wenn man russische Medien sieht, sind viele sich schon sicher, dass der Krieg stattfinden wird. Nur dem Westen gegenüber wird fleißig dementiert. Die Manöver seien bald beendet.

Im Westen werden dagegen schon Stimmen laut, nicht bis zu dem Angriff zu warten, sondern bereits jetzt Russland vom SWIFT-System abzuhängen. Der Zahlungsverkehr mit dem Westen ist dann nicht mehr möglich. Aber das wäre ja auch ein Angriff, den wir möglichst sein lassen sollten, weil das eben auch nur Krieg mit anderen, den letzten Mitteln ist.

Also, wer zieht zuerst? High Noon!

Vermutlich wird es eben doch so ausgehen, dass die beiden Kontrahenten die staubige Straße verlassen und der Colt im Holster stecken bleibt.

So viel Idiotie und Selbstzerstörung kann es einfach nicht geben!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“. Hier finden Sie seine Fortsetzungsgeschichte „Angriff auf die Welt“ – der „wahre“ Bond.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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