Sechs von zehn Verbrauchern fürchtet, künftig von den exorbitant angestiegenen Energiekosten betroffen zu sein, wie eine Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband zeigt. Die Politik müsse demnach dafür sorgen, dass der Verbraucherschutz auf dem Energiemarkt krisensicherer wird.

Steigende Energiepreise belasten Haushalte mit einem geringen Einkommen besonders stark. Sie geben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes anteilig am meisten für Strom, Heizung und Warmwasser aus. Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 1.300 Euro wendeten im Jahr 2020, als Heizöl, Gas und Strom vergleichsweise günstig waren, im Schnitt 95 Euro für Wohnenergie auf. Das entsprach einem Anteil von 9,5 Prozent an ihren gesamten Konsumausgaben, wie die Wiesbadener Behörde im Januar mitteilte. Haushalte der höchsten Einkommensklasse mit monatlich mindestens 5.000 Euro netto gaben zwar mit durchschnittlich 206 Euro deutlich mehr für Wohnenergie aus. Der Anteil an den privaten Konsumausgaben war mit 4,7 Prozent im Jahr 2020 allerdings nicht einmal halb so hoch wie bei den Haushalten der niedrigsten Einkommensklasse.

Aktuell zeigt sich, dass die Sorge um die Energiepreiskrise einen Großteil der Verbraucher in Deutschland umtreibt. Gut sechs von zehn Verbrauchern, 62 Prozent, befürchten von der Energiepreiskrise in Zukunft belastet zu werden, wie eine Umfrage des Instituts Kantar im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) zeigt. Lediglich 36 Prozent der Befragten fürchten demnach keine persönlichen Belastungen.

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Eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent fordert, dass zahlungsunfähigen Kunden mit geringem Einkommen bis Ende April 2022 nicht der Strom oder das Gas abgestellt wird. Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen des vzbv, sieht dies als klaren Auftrag an die Bundesregierung. So seien Sofortmaßnahmen wie das Aussetzen von Strom- und Gassperren zwingend notwendig, um einkommensschwachen Haushalten in dieser Krise beizustehen. Außerdem müssen weitere Maßnahmen zur finanziellen Entlastung aller Bürger vorgenommen werden, wie etwa ein Klimageld, Strompreissenkungen für private Haushalte und Entlastungen von Mietern beim CO2-Preis.

Der Verband kritisiert, dass Strom- und Gasgrundversorger in 14 der bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands ihre Preise für Neukunden zuletzt stark angehoben haben. Beim Strom hätten die Grundversorger in fünf der untersuchten Städte einen gesonderten Neukunden-Tarif eingeführt – so in Köln, Frankfurt, Leipzig, Dortmund und Dresden –, wodurch die jährlichen Mehrkosten bei einem Stromverbrauch in Höhe von 3.500 kWh bei 1.654 Euro gegenüber Bestandskunden liegen. Gas-Grundversorger haben in sieben Großstädten – Berlin, Köln, Frankfurt/Main, Leipzig, Dortmund, Essen, Dresden – einen separaten Tarif eingeführt, woraus sich bei einem jährlichen Gasverbrauch in Höhe von 20.000 kWh jährliche Mehrkosten von bis zu 3.782 Euro ergeben.

Dass Verbrauchern deutlich höhere Kosten entstehen, weil zahlreiche Strom- und Gasanbieter sich trotz vertraglicher Vereinbarungen aus dem Markt zurückgezogen und die Versorgung ihrer Kunden einseitig eingestellt haben, prangerte der Verband bereits vor Wochen an. Nicht nur würden Kunden durch die kurzsichtigen Geschäftsmodelle enorme Kosten von Grundversorgern aufgebürdet, sondern der Wettbewerb untergraben. Die Politik müsse für mehr Transparenz und eine stärkere Aufsicht sorgen, da Verbraucher nicht die Zeche für derart unseriöse Geschäftsmodelle und schlechte Marktregulierung zahlen dürften.

Die Energiepreise treiben zusammen mit ungünstigen Lieferbedingungen bei allen möglichen Materialien auch die Inflation an, welche die Kaufkraft verringert.

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