Sanktionen gegen Moskau könnten für Russland einen Ausschluss aus dem SWIFT-System bedeuten. Besonders hart treffen würde das die internationalen Kreditgeber Russlands in Italien, Frankreich und Österreich. Es drohen Verluste in Milliardenhöhe. Die Banken in den USA kämen hingegen glimpflicher davon.

Ein militärisches Eingreifen Russlands in der Ukraine werde schwere wirtschaftliche Folgen haben. Damit drohen die NATO und Washington. Innerhalb der US-Regierung gibt es Stimmen, die meinen, dass die Sanktionen bereits präventiv veranlasst werden sollten. Somit könne man Druck auf Moskau ausüben. Details zu den geplanten Restriktionen werden jedoch nicht genannt. 

Auch in Deutschland sei man laut Aussage der Außenministerin Annalena Baerbock bereit, einen „hohen wirtschaftlichen Preis zu bezahlen“. Wie hoch aber darf dieser Preis sein? 

Die Banken in Europa fürchten, dass Sanktionen etwa den Ausschluss Russlands vom SWIFT-System (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) bedeuten könnten. Russland wäre dann von internationalen Geldströmen abgekoppelt. Zahlungen im Import- und Exportgeschäft würden erschwert. 

Als Beispiele für einen Ausschluss aus diesem internationalen Zahlungssystem werden die Islamische Republik Iran und Nordkorea genannt. Im Jahr 2012 wies die EU SWIFT an, Iran aufgrund seines umstrittenen Atomprogramms auszuschließen. Beweise dafür, dass diese Maßnahme die gewünschte Wirkung mit sich gebracht hätte, gibt es allerdings keine.

Mehr als 11.000 Finanzinstitute in über 200 Ländern nutzen heute SWIFT für den internationalen Zahlungsverkehr. Dabei handelt es sich um eine technische Infrastruktur, über die elektronische Informationen ausgetauscht werden. Die Finanzinstitute können auf diesem Weg sicher miteinander kommunizieren. 

Deutsch-Russische Auslandshandelskammer warnt vor Firmenabwanderung aus Russland

Der russische Finanzminister Anton Siluanow warnt indes vor den wirtschaftlichen Folgen außerhalb der russischen Grenzen. Für deutsche Firmen, die mit Russland handeln, ergäben sich mit dem Ausschluss des Landes von SWIFT mit Sicherheit große Probleme. Aber auch europäische Banker teilen die Ansicht Siluanows. So verglich ein Banker die drohenden Sanktionen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit einer „Atombombe“ für das Bankwesen. Denn dadurch würden die Banken mit einem Schlag auf ihren ausstehenden Forderungen sitzen bleiben. Die österreichische Raiffeisenbank hat sich bereits für den Ernstfall gewappnet und eine Risikovorsorge getroffen. Besonders Österreich, Frankreich und Italien würden die Sanktionen hart treffen. Denn sie sind die größten internationalen Kreditgeber Russlands. 

Italienische und französische Banken hatten im dritten Quartal ausstehende Forderungen gegen Russland in Höhe von rund 25 Milliarden US-Dollar. Bei den österreichischen Banken erreichten die Forderungen eine Höhe von rund 17,5 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu liegen die Forderungen von US-Banken an Russland bei nur 14,7 Milliarden. Für Banken, die in Russland geschäftlich tätig sind, würden Finanztransaktionen ohne SWIFT zudem eine Verteuerung und Verlangsamung des Zahlungsverkehrs bedeuten.

Selbst die deutsche Außenministerin blickt mit Sorge auf einen möglichen SWIFT-Ausschluss Russlands. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte sie: 

„Die Abkopplung des gesamten Zahlungsverkehrs wäre vielleicht der dickste Knüppel, aber nicht unbedingt das schärfste Schwert.“ 

Die Kritik an der Gaspipeline Nord Stream 2 hingegen teilt sie mit Ländern wie Polen, Litauen und Lettland. Baerbock betrachtet die Pipeline daher als mögliches Druckmittel gegen Moskau. 

Die russische Regierung wertet die Androhung eines Ausschlusses aus dem SWIFT-System als einen Verstoß gegen internationales Recht und versucht, die Wirtschaft und das Finanzwesen auf mögliche Repressalien seitens des Westens vorzubereiten. Die Idee Moskau von SWIFT abzukoppeln ist indes nicht neu. Bereits im Jahr 2014 wurde diese Forderung im Zuge des Vorwurfs der Krim-Annexion laut. 

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