Erstmals seit dem Missbrauchsskandal um die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai hat sie der westlichen Presse ein Interview gegeben. Darin bestritt die Sportlerin erneut, die Vorwürfe erhoben zu haben, und behauptete, missverstanden worden zu sein.

Im Gespräch mit der französischen Zeitung L’Équipe, das während ihres Besuchs bei den Olympischen Winterspielen in Peking stattfand, zog Shuai wiederholt ihre früheren Behauptungen zurück, wonach sie Opfer eines sexuellen Übergriffs durch einen chinesischen Spitzenpolitiker gewesen sei. Die Chinesin sprach von einem „enormen Missverständnis“ und erklärte:

„Ich habe niemals gesagt, dass irgendwer mich irgendwie sexuell belästigt hat.“

Die 36-Jährige deutete ferner ihre Erwägungen an, sich aus dem Profisport bald zurückzuziehen, und begründete dies mit ihrem Alter, den zahlreichen Operationen und der langen Trainingspause aufgrund der Corona-Pandemie. Ansonsten führe sie ein „normales Leben“, so Shuai.

Nach Angaben von BBC wurde das Interview unter sehr kontrollierten Bedingungen durchgeführt. Es wurde von einem Vertreter des Chinesischen Olympischen Komitees überwacht, der zugleich Pengs Antworten auf die Fragen des LʼEquipe-Journalisten aus dem Chinesischen übersetzte. Außerdem musste das Blatt die Fragen für das Interview im Voraus einreichen.

Pengs Fall bewegt die Welt, seit die frühere Weltranglisten-Erste im Doppel im November 2021 im sozialen Netzwerk Weibo Vorwürfe wegen eines sexuellen Übergriffs durch den ehemaligen chinesischen Vize-Premierminister Zhang Gaoli veröffentlicht hatte. Das Posting wurde bald danach wieder gelöscht, woraufhin der Tennisstar über mehrere Wochen hinweg als vermisst galt.

Seither äußerten Sportler, Politiker und Menschenrechtler Sorge um Peng Shuais Wohlergehen und forderten die chinesischen Behörden auf, die Anschuldigungen zu untersuchen. Die Tennisspielerin hatte später bestritten, die Vorwürfe erhoben zu haben. Kritiker vermuteten jedoch, dass Shuai zu den Äußerungen gezwungen worden ist. 

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