Untersuchungen aus Dänemark liefern Hinweise, dass der Subtyp BA.2 der Omikron-Variante ansteckender als die Ursprungsvariante ist, aber nicht zu schwereren Verläufen führt. Der Virologe Klaus Stöhr sieht in der neuen Subvariante unterdessen keine Gefahr.

In Deutschland herrscht derzeit der Stamm BA.1 der Omikron-Variante des SARS-CoV-2-Erregers vor, doch in anderen Ländern wie Dänemark und Indien breitet sich der Subtyp BA.2 der Omikron-Variante aus. Auch in Großbritannien, den USA und in Deutschland wurde der neue Subtyp bereits gemeldet. Laut Robert Koch-Institut beträgt der Anteil der neuen Subvariante derzeit etwa nur 2,3 Prozent, in Ländern wie Dänemark ist BA.2 allerdings bereits dominant. Eine erste dänische Studie, die noch nicht von Fachleuten begutachtet wurde, zeigt, dass BA.2 gegenüber der „Ursprungsversion“ BA.1 einen Vorteil in der Übertragbarkeit hat. Demnach könnte die rasche Ausbreitung von BA.2 mit seiner „inhärenten erhöhten Übertragbarkeit“ zusammenhängen. Der Hauptautor der Studie, Frederik Plesner, erklärte gegenüber Reuters, dass diese Zahlen darauf hindeuten, dass BA.2 etwa 33 Prozent ansteckender ist als BA.1.

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Die Forscher stellten auch fest, dass BA.2 größere „immunvermeidende Eigenschaften“ hat als BA.1, da es geimpfte Personen besser infizieren konnte. Diese Eigenschaften, so schlussfolgern die Wissenschaftler, „verringern die Schutzwirkung der Impfung gegen die Infektion weiter“. Geimpfte und genesene Personen hatten jedoch ein geringeres Risiko, sich mit einem der beiden Substämme zu infizieren, als Personen, die nicht gegen COVID-19 geimpft waren.

Allerdings deutet nichts darauf hin, dass BA.2 mit einem erhöhten Risiko von Krankenhausaufenthalten verbunden sei. Bisher gebe es keine Hinweise, dass der Krankheitsverlauf bei der neuen Subvariante schwerer sei.

Mittlerweile hat sich auch der deutsche Virologe Christian Drosten zu der neuen Subvariante geäußert. Im NDR-Podcast Coronavirus-Update erklärte er, aufgrund der neuen Daten aus Dänemark gehe er davon aus, dass BA.2 möglicherweise einen sogenannten „Fitnessvorteil“ und damit eine gesteigerte Übertragungsfähigkeit haben könne. Anhand einer Metapher mit zwei Autos erklärte er den Unterschied zwischen den beiden Subtypen und sagte in Bezug auf BA.2:

„Der Motor, der hat schon ein paar PS mehr.“

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Bei BA.1 hingegen sei er der Auffassung, dass die Variante der Immunantwort des Körpers ausweichen könnte, weshalb sie sich so schnell ausbreite. Er gehe zudem davon aus, dass der Anteil von BA.2 auch in Deutschland steigen werde, aufgrund der geltenden Schutzmaßnahmen allerdings langsamer. Genaueres ließe sich wegen der unklaren Datenlage jedoch nicht sagen.

Die Zeit für Lockerungen sieht Drosten unterdessen noch nicht gekommen, da die Impflücke in Deutschland immer noch zu groß sei. In den kommenden Osterferien sehe er jedoch eine Schwelle und einen „Planungshorizont“ für Öffnungen. Der Virologe Klaus Stöhr sieht indessen keine Gefahr durch die höhere Übertragbarkeit der neuen Subvariante. Gegenüber der Welt sagte er in Bezug auf Drostens PS-Vergleich:

„Ich kann diese Semantik schon nicht mehr hören: Noch ansteckender und dann dramatisch ansteckender und dann überansteckend…Die Infektiosität sagt ja nichts darüber aus, wie groß die Krankheitslast wird.“

Man könne dadurch zwar abschätzen, wie schnell sich wie viele Menschen infizieren, so Stöhr. Man sehe aber, dass die Hospitalisierungsrate selbst bei Ländern, die die vier- bis fünffache Inzidenz von Deutschland haben, in etwa gleich bleibt. Eine höhere Übertragbarkeit heiße nicht zwingend, dass die Situation schlechter sei, sondern, dass man sich der Endemie nähere.

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Stöhr führte weiter aus, dass die Menschen so schneller natürliche Immunität erlangen. Am Ende werde sich jeder infizieren, bevor man zur Endemie komme, so Stöhr. Die Impfung sei keine Abkürzung, sondern helfe, die Auswirkungen zu reduzieren. Die neue Subvariante könne zwar schon bald dominieren, doch auch die vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass diese mit einer höheren Krankheitslast verknüpft sei. Sofern man sich bereits mit Omikron infiziert habe, müsse man sich auch keine Gedanken machen: In diesem Fall sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Immunität gegen BA.2 vorhanden, so Stöhr. Argumente, dass Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern wie Dänemark die Maßnahmen nicht aufheben oder lockern könne, da die Impflücke zu groß sei, sind für Stöhr hingegen nicht nachvollziehbar:

„Ich kann es nicht mehr verstehen, dass man jetzt Ostern als Endpunkt der konservativen Maßnahmen sieht oder dass man sagt, wir können frühestens im April irgendwelche Lockerungen durchführen. Das passt einfach alles nicht mehr zusammen. Ich habe schon öfter den Begriff Paralleluniversum verwendet – auch der passt jetzt hier zu Deutschland dazu.“

Weiterhin kritisierte Stöhr, dass die Politik entsprechende Szenarien nicht an Parameter und Daten knüpfe, sodass man beispielsweise sage, ab welcher Hospitalisierungsrate und welcher Intensivbettenbelegung man lockern könne.

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