Ein künstlicher Ursprung von SARS-CoV-2 wird seit jeher diskutiert. Für Prof. Dr. Roland Wiesendanger besteht jedoch kein Zweifel daran, dass die Ausbreitung des Virus auf die Forschung zurückzuführen ist. Christian Drosten wirft er vor, Teil einer Vertuschungskampagne zu sein.

Sehr früh kam im Zuge der beginnenden Corona-Krise der Verdacht auf, dass ein Laborunfall zum Ausbruch von SARS-CoV-2 geführt haben könnte. Sehr früh wurde diese These ad acta gelegt. Doch der Verdacht hielt sich hartnäckig. Mitte Februar meldete sich dann der renommierte Hamburger Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg zu Wort.

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In der „Studie zum Ursprung der Coronavirus-Pandemie“ kommen Studienleiter Wiesendanger und seine Kollegen zu dem Ergebnis, „dass sowohl die Zahl als auch die Qualität der Indizien für einen Laborunfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan als Ursache der gegenwärtigen Pandemie sprechen“. Man habe „zahlreiche und schwerwiegende Indizien“ zusammengetragen, die einen Laborunfall als die wahrscheinlichere Theorie erscheinen lassen. Über den Ursprung des neuartigen Virus lägen bis heute keine wissenschaftsbasierten Beweise im strikten Sinne vor.

Aussagen mit einiger Brisanz. Schließlich war es niemand Geringerer als der seit Beginn der Corona-Krise zu einiger Prominenz gelangte Virologe Christian Drosten, der die These ebenfalls sehr früh ausgeschlossen hatte, dass das Virus möglicherweise durch menschliches Versagen freigesetzt wurde.

Es waren dann jedoch u. a. auch an die Öffentlichkeit gelangte E-Mails des medizinischen Beraters der US-Regierung Anthony Fauci, die für Aufsehen sorgten und Fragen aufwarfen. Hintergrund war eine Telefonkonferenz von knapp einem Dutzend Wissenschaftlern am 1. Februar, bei der die Labor-Theorie diskutiert wurde – Drosten war auch zugeschaltet. Die Transkripte zeigten demzufolge, dass „die Wissenschaftler zwar insgeheim besorgt wegen eines möglichen Laborursprungs waren, ihn in der Öffentlichkeit aber verwarfen“.

Nun legte Wiesendanger in einem Interview mit dem Politmagazin Cicero nach und erhebt schwere Vorwürfe. Was die offizielle Corona-Version der Zoonose, also eines natürlichen Ursprungs von SARS-CoV-2 anbelangt, sei er das erste Mal aufgrund des im Fachmagazin The Lancet veröffentlichten offenen Briefs von 27 Virologen stutzig geworden. Zu den Unterzeichnern hatte auch Drosten gezählt. In diesem Brief, so Wiesendanger, sei „zum allerersten Mal der Begriff Verschwörungstheorie im Zusammenhang mit der Labortheorie“ eingeführt worden.

„Dieser Brief war keine wissenschaftliche Publikation mit nachvollziehbaren Begründungen, sondern er war eine reine Meinungsäußerung. So etwas hatte ich in 35 Jahren aktiver wissenschaftlicher Tätigkeit noch nie gelesen, das gehört einfach nicht in eine wissenschaftliche Zeitschrift. Deshalb bin ich stutzig geworden.“

Dann folgte in der Fachzeitschrift Nature Medicine eine Veröffentlichung, die zwar kein brauchbares Argument gegen die Labortheorie beinhaltet habe, dafür aber von den Medien und Faktencheckern als Instrument benutzt worden sei, um kritische Stimmen zum natürlichen Ursprung des Virus als „Fake News“ zu bezeichnen. Zu den im Zuge dessen verleumdeten Experten habe etwa der französische Virologe Luc Montagnier gezählt. Auch Drosten, erinnert Wiesendanger, habe in seinem Podcast vom 12. Mai 2020 vollkommen unsachlich gegen den Nobelpreisträger ausgeholt.

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Das Thema eines künstlichen Ursprungs des Virus sei auch dann „erledigt, wenn ein im Ruhestand befindlicher Nobelpreisträger in einer Talkshow darüber spricht. Es ist trotzdem immer noch erledigt“, so die deutliche Einordnung Drostens.

Nach Ansicht des Hamburger Wissenschaftlers war Drostens ebenso klare wie wissenschaftlich nicht fundierte Positionierung kein Zufall. Dabei verweist Wiesendanger auf die Konferenz, deren Inhalt durch die geleakten Fauci-E-Mails das Licht der Öffentlichkeit erblickt und der auch Drosten beigewohnt hatte. Im Anschluss an die Telefonkonferenz sei es darum gegangen, „wie man diesen Verdacht (der künstlichen Manipulation des Virus) gegenüber der Öffentlichkeit kommunizieren soll – oder eben nicht“.

Es sei vollkommen dubios, dass die an der Konferenz beteiligten Virologen ihre zunächst kritischen Ansichten zur Zoonose-Theorie „innerhalb von drei Tagen, zwischen dem 1. und 4. Februar, […] um 180 Grad gedreht“ und dann in erwähnter Fachzeitschrift Nature Medicine und auch in The Lancet zu Papier gebracht hätten. Fauci sei dabei ein treibender Faktor hinter der entsprechenden „Desinformationskampagne“ gewesen.

„Das zeigt meines Erachtens ganz klar, dass es Vertuschungsversuche gab. Und dass die Beteiligten eine ganze Reihe an Unwahrheiten von sich gegeben haben.“

Der plötzliche Sinneswandel der Virologen um Fauci werde womöglich auch juristische Relevanz erlangen. Den Grund für die Vertuschungen sieht der Hamburger Wissenschaftler unter anderem in der Gain-of-Function-Forschung. Anfang September 2021 berichtete RT DE über Dokumente (hier und hier), die von The Intercept veröffentlicht worden waren und aus denen hervorging, dass die National Institutes of Health (NIH) unter Leitung Faucis Gain-of-Function-Forschung im chinesischen Wuhan finanziert hatten. Forschung mit dem „Risiko einer weltweiten Pandemie“, die auch bei Experimenten mit den Vogelgrippevieren 2011 und 2012 zum Einsatz gekommen war, wie Wiesendanger festhält.

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Fauci hatte die Gain-of-Function-Forschung in Wuhan vor dem US-Kongress wiederholt bestritten. Der Begriff Gain-of-Function-Forschung bezieht sich auf die Modifizierung und Erhöhung der Übertragbarkeit tierischer Viren, um deren Wirkung auf den Menschen besser untersuchen zu können.

Und hier kommt laut Wiesendanger auch der Leiter der Virologie an der Berliner Charité wieder ins Spiel.

„Herr Drosten war in der ganzen Diskussion um die Gain-of-function-Forschung immer im Lager derjenigen, die gesagt haben, dass virologische Forschung frei von staatlichen Regularien sein muss, dass in der Wissenschaft alles selbst geregelt werden kann und genügend Selbsteinsicht herrsche.“

Drosten habe sich dafür eingesetzt, dass die entsprechende Forschung möglichst nicht reglementiert werde und sei daher u. a. als Mitbegründer der Initiative „Scientists for Science„. Letzten Endes habe sich der Ansatz durchgesetzt, „mit, wie wir jetzt vermuten, fatalen Folgen“, hält der Experte auf dem Gebiet der Rastertunnelmikroskopie Wiesendanger fest.

„Wenn klar wäre, dass SARS-CoV-2 aus dem Labor stammt, dann wäre das für die Virologie gleichzusetzen mit Ereignissen wie Hiroshima, Tschernobyl oder Fukushima.“

Daher gelte es für beteiligte Wissenschaftler, jegliche Verdachtsmomente aus der Welt zu schaffen. Das sei der Hintergrund der Wiesendanger zufolge zwielichtigen Vorgänge. Drosten habe seinen Einfluss nicht nur auf den Social-Media-Kanälen genutzt, um Gegenstimmen als „falsche und irreführende Informationen“ in Zweifel zu ziehen, sondern ohne Zweifel davon gewusst, dass renommierte Kollegen „den Laborursprung nicht nur als Möglichkeit, sondern als wahrscheinlichste Ursache von SARS-CoV-2 angesehen haben“. Dies sei durch die Fauci-E-Mails belegt. Dies sei „der eigentliche Skandal“.

Und während er andere der Verbreitung von Verschwörungstheorien bezichtige, sei es vielmehr Drosten selbst, der sich einer Verschwörung schuldig gemacht habe.

„Er betreibt die Verschwörung, beziehungsweise er hat sie betrieben. Mit den anderen Virologen zusammen. Sie haben die ganze Medienwelt, die ganze Politik und auch den Teil der Wissenschaftswelt, der das nicht so genau verfolgt hat, in die Irre geführt.“

Was sich ereignet habe, sei „eine absolute Katastrophe“ und ein Angriff nicht nur „auf die freie Debattenkultur“, sondern auf die „Demokratie“ als solche.

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