von Susan Bonath

Wie acht, wahrscheinlich sogar an die zwanzig Millionen meiner Mitmenschen in Deutschland gehöre ich nun auch zu den Corona-Überlebenden. Zum Glück ohne Arzt und Krankenhaus, denn die Erkrankung kann einem schon ganz schön zu schaffen machen – sie ist nicht für jeden ein Sonntagsspaziergang. Doch mein „Erlebnis“ wirft in mir mehr Fragen auf, als es beantwortet: Wie kommt das Robert Koch-Institut eigentlich zu seinen Daten, wenn niemand außer dem positiven PCR-Test auch nur Interesse bekundet, weiteres zu erheben? Worauf stützt die Bundesregierung ihre Maßnahmen überhaupt? Und: Warum werden Erkrankte – wohlgemerkt nach zwei Jahren Pandemie – weder beraten noch adäquat ambulant behandelt?

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Ich steckte mich ganz unspektakulär bei einem Bekannten an. Es passierte bei einem Besuch. Am nächsten Tag meldete er sich: Er habe Symptome, sogar Fieber, und schlimmen Husten über Nacht bekommen. Nun war sein Selbsttest positiv. Okay, dachte ich, dann bringst du es jetzt vielleicht auch hinter dich. Drei Tage später, an einem Wochenende, stellten sich auch prompt die ersten Symptome ein: leichtes Fieber, Schüttelfrost, eine verstopfte Nase. Ich isolierte mich, ein Freund steckte mir einen Selbsttest in den Briefkasten. Der war tags darauf auch positiv. Da ging es mir allerdings schon wieder besser. Ich ahnte nur, dass das wohl erst der Anfang war.

Selbstvorsorge statt Beratung und Hilfe

So hatte ich vorgesorgt mit Aspirin, Bromhexin als Hustenlöser, Vitaminen, Tees und einem Antiallergikum. Letzteres schaffte ich mir vorsichtshalber an, nachdem ich einem südafrikanischen Arzt namens Shankara Chetty gelauscht hatte – nein, nicht etwa im deutschen Fernsehen, sondern auf einem Kanal, der von YouTube ständig wegen angeblicher Fehlinformationen gesperrt wird. Chetty behandele einige seiner Patienten, bei denen sich in der zweiten Woche ein schwerer Verlauf andeutet, mit Antihistamin-Präparaten, die auch bei allergischem Asthma verschrieben werden, und dies sehr erfolgreich. Er geht – wie übrigens das RKI auch – davon aus, dass schwere Verläufe mit Atemnot sehr häufig einer Überreaktion des Immunsystems geschuldet sind. Dies versuche er rechtzeitig zu bremsen.

Ich wusste aus Erfahrungen von Freunden und Nachbarn, dass man als Corona-Patient in Quarantäne praktisch nicht an eine ambulante ärztliche Untersuchung kommt. „Rufen Sie den Rettungswagen, wenn es ganz schlimm ist“, hätten Ärzte ihnen gesagt. Und nein: Es gebe auch heute noch keine Medikamente, mit denen man Corona-Symptome ohne Klinikeinweisung lindern könne. Im Notfall müsse man sich eben ins Krankenhaus bringen lassen.

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Am Montag, nach einem positiven Selbsttest, rief ich in meiner Hausarztpraxis an. „Kommen Sie nachher vorbei, rufen Sie an, wenn Sie da sind und warten draußen vor dem Fenster, da steht ein Schild“, sagte mir die Sprechstundenhilfe.

Ich lief also in gehörigem Abstand zu meinen Mitmenschen zum Fenster der Praxis und rief an. Damit mir die Helferin den Abstrich entnehmen konnte, musste ich mich auf Zehenspitzen stellen und gehörig strecken. Für PCR-Tests bei kleinen Leuten war dieser Bau definitiv nicht gemacht. Sie reichte mir dann einen Zettel raus mit einem QR-Code. Sie können ihr Ergebnis in ein paar Tagen in der Corona-Warnapp ablesen. Die hatte ich nicht, wollte sie auch nicht. „Dann rufen Sie mal übermorgen hier an.“

Ich rief an, mehrmals, und fünf Tage später, am Freitagnachmittag – das Schlimmste hatte ich überstanden – war das Ergebnis endlich da: positiv. Vom Gesundheitsamt hatte ich bis dahin nichts gehört. „Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie wohl am nächsten Donnerstag wieder rausdürfen“, meinte die Sprechstundenhilfe und ergänzte: „Wenn sich die RKI-Bestimmungen bis dahin nicht wieder geändert haben.“

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Zurück zu den Symptomen: Niemand fragte mich danach. Aus meiner Arztpraxis hatte ich mit auf den Weg bekommen, dass ich anrufen könne, wenn es schlimmer werde. Und das wurde es tatsächlich: Nach einer guten Woche stellte sich auch bei mir die gefürchtete Atemnot ein. Es fühlte sich an, als wenn sich ein Panzer um meinen Oberkörper legte. Ich machte aus Verzweiflung den Selbstversuch mit dem Antiallergikum: Offenbar mit Erfolg, denn die Atemnot legte sich wieder. Dazu sei angemerkt: Das ist nur ein privates Erlebnis und nicht zum allgemeinen Nachahmen empfohlen. Eine Untersuchung, wenn man sie denn überhaupt bekommt, ist definitiv in jedem Fall vorzuziehen.

Aber ich hatte tatsächlich auch Angst davor, mich einem Arzt anzuvertrauen. Ich wollte einen Klinikaufenthalt auf jeden Fall vermeiden. Glaubt man den Nachrichten, die seit zwei Jahren auf die Bevölkerung einprasseln, erwartet einen dort im Eiltempo das Beatmungsgerät mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit, das nicht zu überleben. Ich hatte tatsächlich mehr Angst davor, in einer Klinik stur nach Leitlinien behandelt zu werden, als vor Corona selbst, auch noch, als ich es sehr unangenehm selbst hatte.

Impfstatus? Symptome? Interessiert uns nicht

Als es mir dann wenig später wieder einigermaßen gut ging, wollte ich von meinem Gesundheitsamt des Landkreises Börde in Sachsen-Anhalt wissen, warum ich noch nichts von ihm gehört habe. Ich rief die Hotline an. Ein Mitarbeiter entschuldigte sich und meinte, seine Behörde sei „einfach völlig überlastet und überfordert“. „Da kann es schon mal sein, dass wir uns erst nach der Quarantäne melden. Ja, ich bekäme schon irgendwann einen Bescheid, und auch so ein Genesenen-Zertifikat. Aber letzteres könne ich zur Not auch bei meiner Hausärztin bekommen. „Falls wir es nicht schaffen, uns in den nächsten 28 Tagen bei Ihnen zu melden“, ergänzte er.

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Ich wunderte mich, warum niemand auch nur irgendetwas von mir wissen wollte: Welche Symptome ich hatte, oder welche Kontaktpersonen mit betroffen sein könnten. Ich wusste von Kita-Kindern und Schülern, dass zumindest dort noch immer ganze Klassen in der Quarantäne landen, wenn einer aus der Gruppe positiv getestet wurde. Auch die Pflegeheime machen weiterhin alle Schotten dicht in so einem Fall. Dort laufe das automatisch, meinte mein Gesprächspartner vom Gesundheitsamt. „Aber bei allen anderen – wie gesagt – schaffen wir das nicht mehr.“ Wollen Sie nichts über meine Symptome wissen? „Nee, das wird schon lange nicht mehr abgefragt, bei so vielen Fällen, die wir haben.“

Er könne sich vorstellen, dass das in anderen Gesundheitsämtern nicht anders sei. Und nein, er wisse auch nicht, wie das RKI unter solchen Bedingungen zu seinen Daten über Geimpfte, Ungeimpfte, asymptomatisch und symptomatisch Erkrankte komme. Apropos Impfstatus: Auch den wollte niemand von mir wissen, weder meine Hausärztin noch das Amt. Von letzterem habe ich übrigens bis heute nichts gehört.

Politisch unerwünschte Daten?

Ich gehe inzwischen wieder raus, weil die vom RKI vorgegebenen zehn Tage Quarantäne abgelaufen sind und ein Selbsttest negativ war. Nun werde ich wohl in meiner Hausarztpraxis nach einem Genesenen-Zertifikat fragen müssen. Ich habe dafür noch Zeit. Der sogenannte 2G-Status wird für mich erst in zwei Wochen gelten, und dann genau 62 Tage lang. Ab Tag 63 bin ich dann wieder raus.

Eine wissenschaftlich fundierte Begründung dazu, warum ich – und Millionen weitere Genesene – weniger immun sein soll als doppelt oder dreifach Geimpfte, habe ich noch nicht gelesen. Im Gegenteil: Das PEI schrieb jüngst, dass auch nach über einem Jahr noch jede Menge neutralisierende Antikörper bei Genesenen nachgewiesen wurden – in einer eigenen Studie. Doch dabei handelt es sich vermutlich um politisch unerwünschte Daten.

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