Schnell war der „Lockdown“ in den vergangenen zwei Jahren als Maßnahme zur Hand, um COVID-19 einzudämmen. Kritische Stimmen stießen auf taube Ohren. Nun sind es Forscher der Johns-Hopkins-Universität, die der rigiden Maßnahme die epidemiologische Sinnhaftigkeit absprechen.

Hier und da wurde er hierzulande von Maßnahmen-Hardlinern zuletzt noch einmal ins Spiel gebracht, doch allgemein scheint die Blütezeit der Lockdowns zur vermeintlichen Eindämmung von SARS-CoV-2 sich ihrem endgültigen Ende zuzuneigen. Es ist dabei keineswegs so, dass es nicht von Beginn an Kritik bezüglich der rigiden nicht-pharmazeutischen Interventionsmaßnahme (NPI) gegeben hätte. Etliche Arbeiten widmeten sich bereits vor „Corona“ dem Thema.

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Dem interessierten Teil der Bevölkerung dürfte im Zusammenhang mit COVID-19 jedoch vor allem auch die Arbeit der Top-Wissenschaftler Prof. John A. Ioannidis und Prof. Jayanta „Jay“ Bhattacharya von der Universität Stanford in Erinnerung geblieben sein. In einer Anfang Januar 2021 veröffentlichten Analyse setzten sich der „schillernde“ Ioannidis und sein Kollege kritisch mit dem epidemiologischen Nutzen der restriktiven Maßnahmen und auseinander verwiesen außerdem auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgeschäden.

Im Sinne einer Einflussnahme auf die Maßnahmenpolitik fanden derlei Befunde aus berufenem Munde bei den von ihren eigenen Experten umgebenen politischen Entscheidungsträgern allerdings kein Gehör. Die mutmaßlichen Kollateralschäden galt es, im Sinne einer Kosten-Nutzen-Analyse hinzunehmen. Kritiker der rigorosen Maßnahme galten als für „die Wissenschaft“ verlorene „medizinische Laien“, „Pseudoexperten“, „Querdenker“, „Verschwörungstheoretiker“ und „Corona-Leugner“.

Im Zuge jeder „Infektionswelle“ rollten immer neue Lockdowns über die Länder, die von sich behaupteten, bei der COVID-19-Bekämpfung die Nase ganz vorn zu haben.

Nachdem sich südafrikanische Mediziner von Beginn an der neuen Angst vor Omikron nicht vorbehaltslos anschließen mochten, setzte sich in der Zwischenzeit nun auch zwischen Washington und Berlin die Erkenntnis durch, dass die Omikron-Variante mehr Chance als Bedrohung sein könnte. Jetzt lockern immer mehr Länder die von ihnen eingeführten Corona-Maßnahmen, und es kommen auch Sinn und Unsinn der Lockdowns wieder auf den Prüfstand.

So kommen Forscher der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore in einer Meta-Analyse zu dem Ergebnis, „dass Lockdowns wenig bis gar keinen Einfluss auf die COVID-19-Sterblichkeit hatten“.

Die Lockdowns während der frühen Phase der Pandemie im Jahr 2020 verringerten die COVID-19-Sterblichkeit demzufolge „im Durchschnitt um 0,2 Prozent“, heißt es in der Analyse wissenschaftlicher Studien zur ersten Welle. Auch die Kollateralschäden finden Erwähnung:

„Diese Meta-Analyse kommt zu dem Schluss, dass Lockdowns wenig bis gar keine Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, aber dort, wo sie eingeführt wurden, enorme wirtschaftliche und soziale Kosten verursacht haben.“

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Der ebenso diffuse wie längst in den täglichen Sprachgebrauch eingegangene Begriff „Lockdown“ wird von den Forschern dabei als die Auferlegung von mindestens einer obligatorischen, nicht-pharmazeutischen Intervention (NPI) definiert. Unter NPIs sind alle staatlichen Anordnungen zu verstehen, durch welche die menschliche Bewegungsfreiheit einer direkten Einschränkung unterliegt. Darunter fallen in der Betrachtung der Forscher etwa Ausgangsbeschränkungen, Schul- und Geschäftsschließungen sowie das Verbot internationaler Reisen.

Demzufolge scheine es so zu sein, dass Lockdowns und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit nicht nur so gut wie keinen, sondern zudem einen negativen Effekt auf die Mortalität aufwiesen.

„Insgesamt scheinen Lockdowns und die Einschränkung von Versammlungen die COVID-19-Sterblichkeit zu erhöhen, auch wenn die Auswirkungen mit 0,6 bzw. 1,6 Prozent sehr moderat sind.“

Mit einer Reduzierung von 21 Prozent scheint die Pflicht zur Verwendung von Gesichtsmasken im Gegensatz zu den angeordneten Lockdowns hingegen eine beachtliche Wirkung gehabt zu haben. Allerdings ging dies nur aus zwei der betrachteten Studien hervor und gelte für „Mitarbeitermasken“ und nicht für ein generelles Maskenmandat.

Das Schließen von Geschäften des nicht täglichen Bedarfs habe wohl ebenfalls einen signifikanten Effekt auf die Mortalität ausgeübt. Dieser habe bei 10,6 Prozent gelegen, beziehe sich jedoch vermutlich hauptsächlich auf die Schließung von Bars.

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Bis zum 1. Juli 2020 seien insgesamt 1.048 Studien zum Thema erschienen, von denen wiederum 34 die eigenen Analysekriterien erfüllt hätten. Im Ergebnis der Meta-Analyse ließe sich die Behauptung, „dass Lockdowns einen großen, signifikanten Effekt auf die Sterblichkeitsrate haben“ nicht bestätigen.

Der durchschnittliche Lockdown in Europa und den USA habe die COVID-19-Sterblichkeit, verglichen mit einer COVID-19-Politik, die ausschließlich auf Empfehlungen gesetzt habe, demzufolge um lediglich 0,2 Prozent verringert.

„Wir finden keine Hinweise darauf, dass Lockdowns, Schulschließungen, Grenzschließungen und die Einschränkung von Versammlungen einen spürbaren Einfluss auf die COVID-19-Sterblichkeit hatten.“

Immer wieder verweisen die Forscher in ihrer Analyse darauf, dass die Wirkung von Lockdowns auf die Mortalität „gering bis nicht vorhanden“ sei. Ganz anders liege der Fall jedoch, was die „verheerenden Auswirkungen“ auf die Gesellschaft anbelange.

So hätte die zwangsverordneten Lockdowns „zur Verringerung der Wirtschaftstätigkeit, zum Anstieg der Arbeitslosigkeit, zur Verringerung der Schulbildung, zu politischen Unruhen, zu häuslicher Gewalt und zur Untergrabung der liberalen Demokratie“ beigetragen.

Auch auf Basis der eigenen Ergebnisse gelte es nun genannte gesellschaftliche Kosten mit dem vermeintlichen gesundheitlichen Nutzen der Lockdowns abzugleichen. Was die entsprechende Kosten-Nutzen-Analyse betrifft, sind sich die Wissenschaftler sicher: „Lockdowns sollten […] als pandemiepolitisches Instrument abgelehnt werden“.

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