Von Alexander Wallasch

Ja, es ist kompliziert: Wer ist nach Lesart des RKI und nach Umsetzung der Länder wann und mit welchen Impfungen geschützt und wer darf sich danach frei bewegen?

Die 2G-Regel für Geimpfte oder Genesene gilt schon lange nicht mehr. Ein Genesenenstatus verfällt früher als ein Impfstatus. Bereits nach drei Monaten gilt der Genesene als ungeschützt, er wird also zum Nachimpfen aufgefordert, sofern er sich nicht zwischenzeitlich bestätigt infiziert. Das gilt übrigens auch für doppelt Geimpfte und dann Genesene, deren letzte Impfung länger als sechs Monate zurückliegt. Und wahrscheinlich ist es damit noch nicht einmal hinreichend aufgeschrieben.

Die Corona-Verordnungen der einzelnen Bundesländer sind uneinheitlich. In Hamburg beispielsweise wurde das Regelwerk gerade dahingehend konkretisiert, dass jemand, der doppelt geimpft ist und sich anschließend infiziert hat – was ja an sich schon ein Kuriosum sein dürfte, bezogen auf das ursprüngliche Impfversprechen – den Geboosterten gleichgestellt ist. In der Hansestadt gilt also die Infektion nach zwei Impfungen als Booster. Allerdings nur für die Dauer von sechs Monaten.

Eine neue Studie aus München scheint das Hamburger Vorpreschen jetzt nachdrücklich zu bestätigen.

Die Virologin Ulrike Protzer ist Professorin für Virologie an der Technischen Universität München. Und Protzer war beteiligt an einer Studie, welche die Immunantworten auf das Coronavirus nach zweifacher Impfung, dreifacher Impfung und Durchbruchsinfektionen verglichen hat.

Mit einem, laut Studie, eindeutigen Ergebnis: Zunächst einmal stellten die Wissenschaftler dabei fest, dass doppelt Geimpfte, die auch geboostert waren, auf alle bekannten Varianten des Coronavirus eine „qualitativ hochwertige Immunantwort“ vorweisen konnten.

Im Hinblick auf die Entscheidung aus Hamburg, einen Genesenenstatus als Booster anzuerkennen, liefert die Studie aus München folgende Hinweise:

Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch bei doppelt geimpften Personen, die sich anschließend infiziert haben – also einen sogenannten Impfdurchbruch hatten – eine vergleichbar hochwertige Immunantwort festgestellt werden kann, wie bei bereits geboosterten Personen.

Fazit der Virologin: „Wichtig: eine Durchbruchsinfektion muss da auch anerkannt werden.“

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Der Bayerische Rundfunk titelt zum selben Thema: „Schutz vor Omikron: Durchbruchsinfektion so effektiv wie Booster“.

Hier darf der Bürger – dem ja zu Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus versprochen wurde, dass er anschließend geschützt sei – schon irritiert mit dem Kopf schütteln, wenn es einer aufwendigen wissenschaftlichen Studie bedarf herauszufinden, dass eine Infektion immunisieren könnte.

Von einem dauerhaften Schutz nach Impfung sind die meisten Menschen ausgegangen, als sie zweimal hintereinander ihren Ärmel hochkrempelten. Reitschuster.de befragt dazu einen renommierten Mediziner, der unter anderem darauf hinweist, dass es sich bei Coronaviren ähnlich verhält, wie bei Grippeviren, wo ja nicht umsonst Jahr für Jahr eine Folgeimpfung empfohlen wird.

Ein Fazit der an der Studie beteiligte Professorin Protzer geht demgegenüber dann so: „Aber auch eine Durchbruchsinfektion, so ärgerlich sie ist, erreicht den Effekt einer zusätzlichen Impfung.“

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.


Bild: Shutterstock
Text: wal

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