Nach einer Analyse der Techniker Krankenkasse haben sich 2021 viel weniger Menschen krankschreiben lassen als in den Vorjahren. Hauptgrund für den generellen Rückgang der Fehlzeiten sind deutlich weniger Krankmeldungen aufgrund von Erkältungskrankheiten. Die Zahl der Krankschreibungen wegen Corona nahm jedoch zu.

Die Techniker Krankenkasse (TK) kommt zu dem Ergebnis, dass die Krankschreibungen der Beschäftigen im letzten Jahr einen neuen Tiefstand erreicht haben. Durchschnittlich kam jeder Erwerbstätige auf 14,5 Fehltage. In den drei Jahren zuvor waren es 15 Tage (15,1 Tage in 2020, 15,4 Tage in 2019 und 15,5 Tage in 2018).

Coronavirus-Erkrankungen wurden in 37.625 Fällen als Grund für die Kranschreibung angegeben. Dies war ein Zuwachs im Vergleich zu 26.833 im Jahr 2020. Für den Chef der Techniker Krankenkasse Jens Baas ist dies darauf zurückzuführen, dass es weniger Erkältungskrankheiten gegeben hätte. 

Die Möglichkeit zur Krankschreibung am Telefon bei leichten Atemwegsinfektionen soll bei fortdauernder Corona-Pandemie verlängert werden. Das gelte auch für weitere Sonderregelungen, durch die Kontakte reduziert und Praxen entlastet würden, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, am Dienstag in Berlin. Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das für die Regelung von Leistungen zuständige Spitzengremium im Gesundheitswesen. Zugleich warnte Hecken vor einer  frühzeitigen Entwarnung in der Corona-Lage.

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Derzeit können – momentan noch befristet bis 31. März – Patientinnen und Patienten mit leichten Atemwegserkrankungen telefonisch bis zu sieben Kalendertagen krankgeschrieben werden. Die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder hatten am Montagabend in einer Schalte das Bundesgesundheitsministerium gebeten, eine weitere Verlängerung der Regelungen zur telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei Atemwegserkrankungen zu prüfen.

Hecken sagte, der Bundesausschuss werde im Rahmen seiner Zuständigkeiten die wichtigsten der derzeit bis zum 31. März 2022 laufenden Corona-Sonderregelungen bei Fortdauer der Pandemie „selbstverständlich auch unabhängig von dem Beschluss der Gesundheitsminister“ verlängern. „Denn die aktuelle Situation lässt keine Experimente zu“, so Hecken. Der Ausschuss habe die mit Beginn der Pandemie 2020 eingeführte Regelung schon wiederholt verlängert. Hecken nannte zudem die während der Pandemie geschaffene Möglichkeit der Videobehandlung im Bereich der Heilmittelversorgung und die Sonderregelungen beim Entlassmanagement. Krankenhausärztinnen und -ärzte können demnach eine Arbeitsunfähigkeit für bis zu 14 Tage nach Entlassung bescheinigen.

Hecken warnte vor Leichtfertigkeit in der aktuellen Pandemiephase. „Die unglaublich hohe Anzahl von Neuinfektionen durch die Omikron-Virusvariante ist herausfordernd für unser Gesundheitssystem“, sagte er:

„Wir müssen Arztpraxen und Krankenhäuser nach wie vor entlasten und vermeidbare direkte Kontakte verringern. Konsequentes Handeln zur Eindämmung des Infektionsgeschehens habe weiter oberste Priorität.“

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(rt de/dpa) 





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