Die ehemalige israelische Regierung soll seit 2018 das Unternehmen NSO dazu bewegt haben, dessen Spähprogramm Pegasus an die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Oman und Saudi-Arabien zu verkaufen. Dadurch sollte eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Staaten angekurbelt werden.

Israel hat die Spionagesoftware Pegasus der israelischen Firma NSO in den letzten Jahren als zentrale Säule seiner diplomatischen Bemühungen im Nahen Osten eingesetzt, um die Beziehungen mit den Golfstaaten zu normalisieren. Das berichtete die New York Times am Freitag. 

Bericht: VAE nahmen vor Ermordung Khashoggis mit Spähsoftware Pegasus seine Ex-Frau ins Visier

Nichts hat dem Ruf des NSO so sehr geschadet wie der Verdacht, dass seine Spionage-Technologie bei der Ausspähung des saudischen Oppositionellen Jamal Khashoggi und seines Umfelds eine maßgebliche Rolle gespielt hätte. Die Ex-Frau des ermordeten saudischen Journalisten Khashoggi wurde einige Monate vor dessen Ermordung mit Pegasus über ihr Handy ausgespäht.

Die Saudis verloren nach der grausamen Ermordung von Khashoggi kurzzeitig den Zugang zu der Spionagesoftware. Der Kronprinz Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, forderte seinerzeit den damaligen Premierminister Benjamin Netanjahu auf, einzugreifen, um die Software wieder benutzen zu können. 

Die Untersuchung der NYT ergab, dass Saudi-Arabien, ein bekannter Kunde von Pegasus, erst wieder autorisiert wurde, die Spionagesoftware zu nutzen, nachdem der saudische Kronprinz bin Salman Netanjahu angerufen hatte.

Die israelische Regierung soll seit 2018 NSO dazu bewegt haben, dessen Spähprogramm an die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Oman und Saudi-Arabien zu verkaufen. Pegasus war nach Recherchen der NYT ein wichtiger Bestandteil der Bemühungen Israels zur Normalisierung der Beziehungen zu den Golfstaaten, wobei es auch eine entscheidende Rolle bei der israelischen Strategie bezüglich der Atomgespräche mit Iran spielte.

Skandal um israelische Spionagesoftware: Journalisten und Menschenrechtler weltweit im Visier

Als das Abraham-Abkommen bekannt gegeben wurde, hatte Israel fast allen Unterzeichnern Lizenzen zum Verkauf von Pegasus erteilt, berichtet die NYT. Obwohl Saudi-Arabien das Abkommen noch nicht unterzeichnet hat, ermöglichte das Königreich das Abkommen zwischen Israel und anderen Golfstaaten, nämlich Bahrain und den VAE, indem die Saudis ihren Luftraum für israelische Flüge eröffnet haben, um über das Königreich in die Golfstaaten am Persischen Golf zu fliegen.

Die in Israel hergestellte Pegasus-Spyware steht im Verdacht, über 450 Telefone zu infizieren, die von Kunden der NSO-Firma ins Visier genommen werden. Die Liste der Kunden reicht von Saudi-Arabien bis zu mexikanischen Drogenbaronen. Die israelische Zeitung Haaretz veröffentlichte kürzlich eine Liste der mittlerweile bestätigten Pegasus-Opfer. Nach Recherchen mehrerer Medienorganisationen ist Pegasus weltweit gegen gut 180 Journalisten sowie Politiker eingesetzt worden. 

Die USA hatten im November das wegen weltweiter Spionage-Skandale bekannte NSO auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Zur Begründung hatte es geheißen, dass es Spionageprogramme entwickelt und an ausländische Regierungen verkauft habe, die diese zur Überwachung und Verfolgung von Regierungsbeamten, Oppositionellen, Journalisten, Geschäftsleuten, Künstlern, Aktivisten, Akademikern und Botschaftsmitarbeitern eingesetzt hätten.

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