IS-Terroristen haben einen tödlichen Angriff auf das von den kurdischen Separatisten verwaltete Gefängnis in der Stadt Hasake im Nordsyrien gestartet, um dort festgehaltene Dschihadisten zu befreien. Obwohl die US-Amerikaner sich schrittweise aus der Region zurückziehen, versuchen sie zugleich, durch ihre Vasallen Einfluss auf die Entwicklungen im Nahen Osten auszuüben. Damit spielen die US-Besatzer mit dem Feuer.

Eine Analyse von Seyed Alireza Mousavi

Eine Gruppe von IS-Terroristen hat am Donnerstag einen Angriff auf das von den kurdischen Separatisten verwaltete Gefängnis in der nordostsyrischen Stadt Hasake gestartet, um dort festgehaltene Dschihadisten zu befreien. In der Haftanstalt sitzen rund 5.000 IS-Kämpfer, darunter auch führende Köpfe dieser Terrororganisation. Bei tagelangen Feuergefechten durch den tödlichen IS-Sturm auf dieses Gefängnis in Nordsyrien sind bislang mindestens 136 Menschen getötet worden. Die US-Besatzungstruppen in Nordsyrien eilten den überforderten kurdischen Separatisten mit Schützenpanzern und Luftschlägen zu Hilfe. Pentagon-Pressesprecher John Kirby sagte am Freitag, die USA hätten Luftangriffe eingesetzt, um die sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) bei dem von IS-Kämpfern ausgelösten Gefängnisausbruch zu unterstützen, womit sie die Lage wieder unter Kontrolle bringen könnten. 

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Inzwischen treiben die Gefechte rund um die Haftanstalt viele Zivilisten in die Flucht. Während IS-Terroristen auf das Gelände der Haftanstalt stürmten, sollen Insassen Plastik verbrannt haben, um durch den Rauch Verwirrung zu stiften. Viele IS-Eindringlinge soll bei diesem Angriff Sprengstoffwesten getragen haben. Aus dem Gefängnisausbruch ist allerdings ein Häuserkampf geworden, wobei zwei Bewohner in den umliegenden Viertel von den IS-Kämpfern enthauptet wurden, so Sprecher der sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF). IS-Terroristen sollen sich in Häusern der Nachbarschaft verschanzt und Bewohner als „menschliche Schutzschilde“ genommen haben. 

Die IS-Kopfabschneider nahmen fast 300 Familien in einem Viertel in der Nähe des Gefängnisses gefangen. Die Gefechte in Hasake dauern weiterhin an. Nun läuft die Gefahr für Kinder und Zivilisten, zwangsrekrutiert zu werden. Die von Kurden angeführten Truppen versuchten weiterhin, das Gefängnis wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. 

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In der Haftanstalt in Hasake waren zuletzt Islamisten aus mehr als 50 Nationen inhaftiert. Die im Nordosten illegal regierende SDF hatte immer wieder an die internationale Gemeinschaft appelliert, eigene Staatsbürger zurückzunehmen, da die kurdischen Separatisten offenbar nicht in der Lage sind, für die Sicherheit in Gefängnisse und Flüchtlingslager zu sorgen. Moskau holte seinerzeit eine große Gruppe russischer Kinder aus einem Flüchtlingslager in al-Hasaka nach Russland zurück. Das Flüchtlingslager in Hasake ist faktisch ein provisorisches Gefängnis, das von den SDF als dortiger Partner der USA betrieben wird.

Gefängnisausbrüche gab es mehrfach in Hasake. Die von den USA geführte Anti-ISIS-Koalition, die im Grunde in Nordsyrien als Besatzer fungiert, soll letztes Jahr signalisiert haben, bereit zu sein, eine drastische Erweiterung einer großen Haftanstalt im Nordosten Syriens zu finanzieren, um die Anzahl von Gefängnisausbrüchen zu verringern. Die jüngsten tödlichen Attacken auf das Gefängnis waren allerdings der größte Angriff dieser Art seit der Zerschlagung des IS-Kalifats seit dem Jahr 2019.

Bei einem Überfall des IS auf einen Militärstützpunkt im Osten des Irak wurden am 21. Januar elf irakische Soldaten getötet. Die IS-Miliz nahm die Angriffe in Syrien sowie im Irak über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch. Die IS-Präsenz im Osten Syriens und an der Grenze zum Irak erstreckt sich insbesondere auf Wüstengebiete, die unter illegaler Besatzung der sogenannten kurdischen Selbstverwaltung stehen.

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Die Angriffe in Syrien und Irak wecken beunruhigende Erinnerungen. Die sogenannten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), die den Nordosten Syriens mit Unterstützung der US-Armee besetzt haben, werden von kurdischen Milizen dominiert, die dem Führer der Terrorgruppe PKK Abdullah Öcalan treu ergeben sind. Wo die kurdischen Milizen in Nordsyrien „regieren“, herrschen Korruption und Diskriminierung der arabischstämmigen Syrier. Es gibt in den arabischen Stämmen in der Provinz Deir el-Zor Ressentiments gegenüber den Kurden. Die Zivilbevölkerung ist generell unzufrieden mit der Kurdenregierung in Nordostsyrien. Die Unzufriedenheit hat dort immer dem IS in Hände gespielt. Die Dschihadisten profitieren nämlich von Machtkämpfen und der Schwäche der von den USA installierten illegalen kurdischen autonomen Regierung. Der jüngste Angriff auf das Gefängnis könnte der Anfang einer neuen Gewaltwelle des IS in Syrien sein. 

Der syrische Staat versucht schon, seinen Einfluss auf die von den kurdischen Milizen besetzten Regionen im Ostsyrien wieder zu stärken. Das syrische Außenministerium forderte inzwischen den sofortigen Abzug aller fremder Truppen aus den im Nordosten besetzten Gebieten auf. In einer über das Wochenende veröffentlichten Presseerklärung warf das syrische Ministerium sowohl den IS-Terroristen als auch den Milizen der SDF vor, im Verlauf der vergangenen Tage Massaker gegen die Bevölkerung verübt und signifikante Schäden an der Infrastruktur der Provinz Hasaka verursacht zu haben.

Obwohl die US-Amerikaner sich schrittweise aus der Region zurückziehen, versuchen sie zugleich, durch ihre Vasallen – wie die Kurden – Einfluss auf die Entwicklungen im Nahen Osten zu auszuüben. Die US-Politik in Syrien zielt darauf ab, einen „kurdischen Staat“ zu installieren. Die USA wollen nämlich diesen „kurdischen Staat“ zu einem Außenposten für sich machen, um die Region weiterhin nach westlichen Interessen zu steuern. Damit spielt Washington mit dem Feuer: Da die Herrschaft eines illegalen kurdischen Staates in Nordsyrien nicht nur zu Unzufriedenheit in der syrischen Bevölkerung führt, sondern auch eine direkte Konfrontation mit der Türkei verursachen könnte, was wiederum Wiedererstarken des IS-Terroristen in der Region zur Folge hat. 

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