Der russische COVID-19-Impfstoff Sputnik V ist im Vergleich zu Pfizer gegen den Omikron-Stamm doppelt so wirksam, informiert der Russische Direktinvestitionsfonds mit Verweis auf eine Vergleichsstudie des Instituts Lazzaro Spallanzani in Italien.

Sputnik V wurde in Italien vom Institut Lazzaro Spallanzani bei einer einzigartigen, von einer gemeinsamen russisch-italienischen Forschermannschaft vorgenommenen Studie einem Vergleich mit dem konkurrierenden Impfstoff des Pharmakonzerns Pfizer unterzogen. Auf das Ergebnis macht der Russische Direktinvestitionsfonds (RDIF, finanziert die Entwicklung der Sputnik-Impfstoffe) aufmerksam: Der meistverbreitete russische Impfstoff gegen COVID-19 ist dem Pfizer-Produkt bezüglich der Wirksamkeit mehr als zweifach überlegen. Dieselbe Pressemitteilung nutzte der RDIF, um auf die Richtigkeit der mancherorts schon länger etablierten Praxis hinzuweisen, nach Impfungen mit Drittvakzinen Sputnik-Impfstoffe als Booster einzusetzen.

Ein Hauptkriterium bei der Bewertung war die Beständigkeit und Intensität der Antikörperbildung: Die Antikörper gegen den als Omikron bekannten, erstmals in Südafrika registrierten Stamm B.1.1.529 waren im Schnitt 2,1-mal so hoch – und drei Monate nach der Impfung sogar 2,6-mal so hoch.

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Ein weiteres Maß war die Zuverlässigkeit insbesondere gegen Omikron: Selbst in den 25 Prozent der Blutserum-Proben mit den höchsten Indikatoren für RBD-spezifische IgG-Antikörper zeigten nur 83,3 Prozent der mit Pfizer Geimpften überhaupt eine Bildung von Antikörpern gegen Omikron – gegenüber 100 Prozent der mit Sputnik Geimpften. Über das Gesamtfeld hinweg ergaben sich entsprechende Prozentzahlen von 56,6 bei Pfizer und 74,2 für Sputnik V hinlänglich der grundsätzlichen Wirkung. Dies hängt mit einer ganzen Reihe von Gründen zusammen, so das RFDI mit Verweis auf die Studie. Einer ist das bereits hinlänglich bekannte, sogenannte „heterogene“ Impfschema der Erstimpfung mit Sputnik V, bei der die jeweils für die erste und die zweite Dosis verwendeten Impfstoffvarietäten zwei verschiedenen Adenoviren als den „Fahrzeugen“ aufsitzen. Der zweite Grund hat ebenfalls mit der Wahl gerade von Adenoviren als Impfvehikel zu tun: Diese imitieren eine Infektion mit dem Coronavirus (zumal ebenfalls Atemwegserkrankung) generell besser.

Die obigen beiden Faktoren betreffen die allgemeine Wirksamkeit von Sputnik V. Doch spezifisch gegen den Omikron-Stamm gibt es einen Unterschied zum Pfizer-Vakzin: Dieses nutze, ebenso wie Sputnik V, das Spike-Protein, um dem Immunsystem die Reaktion beizubringen – allerdings in einer stark veränderten, „Prolin-stabilisierten“ Form. Eine Impfung hiermit richtet die Immunreaktion auf „spezifische Epitope, die in der Omikron-Variante stark von Mutationen betroffen werden“. Somit „sieht“ das Immunsystem eines mit Pfizer Geimpften die Omikron-Variante in vielen Fällen nicht – anders als bei Sputnik-Impfstoffen, die das Spike-Protein in Naturform anwenden, so das RDIF:

„Da 80 % der Epitope im Spike-Protein, die von CD8+-T-Zellen erkannt werden, von den Mutationen des Omikron-Stamms nicht betroffen sind, löst Sputnik V eine starke und lang anhaltende T-Zellen-Antwort aus …“

Diese Daten aus der italienischen Studie stimmen mit den Daten einer kürzlich in MedRxiv veröffentlichten Laborstudie des Sputnik-V-Entwicklers Gamaleja-Zentrum überein, macht die Mitteilung des Fonds aufmerksam.

In der Mitteilung des RDIF kommen auch die Entwickler von Sputnik V zu Wort. Sie sprechen sich erstens dafür aus, grundsätzlich so bald wie möglich alle verfügbaren verschiedenen Impfstoffe offen, transparent und unabhängig zu testen.

Sputnik V in Argentinien – die zweite Runde

Dringenden Bedarf sehen die Forscher aber vor allem an sogenannten Mix-and-Match-Studien nach argentinischem Vorbild: In Argentinien wurden noch im Vorjahr die vielen dort geläufigen COVID-19-Impfstoffe auf ihre Booster-Wirkung sowohl für sich genommen als auch für jeweils andere Vakzine geprüft. Hierbei erwies sich Sputnik Light als mit der wirksamste Impfstoff zum Eindosis-Boosten, so die Sputnik-Entwickler. Die Omikron-bezogenen Vorteile des russischen Vakzins insbesondere und die Vorteile im Hinblick auf Mutationen im Allgemeinen, die in vielen weiteren Studien nachgewiesen wurden, machen Sputnik-Impfstoffe zum Universalbooster für alle anderen COVID-19-Vakzine im Weltumlauf, so die Gamaleja-Forscher. 

Nicht zuletzt spreche auch die Sicherheit des russischen Impfstoffes, manifest etwa im Fehlen schwerer Nebenwirkungen wie Myokarditis oder Perikarditis (im Gegensatz zu vielen anderen Impfstoffen), in über 30 Studien und Felddatenveröffentlichungen aus über 10 Ländern nachgewiesen, für eine solche Praxis.

Erst im Sommer 2021 wurde in Argentinien die Kombination von Sputnik mit Sinopharm und AstraZeneca erfolgreich auf ihre Sicherheit hin getestet; hierbei war Sputnik allerdings die Erstdosis.

Die Überlegenheit des Produktes ihrer Forschung, aber auch generell des Mischansatzes zur Boosterimpfung wollen die Immunologen und Virologen aus dem russischen Gamaleja-Zentrum ebenfalls dringend in Vergleichstests erprobt wissen:

„Das Sputnik-Team drängt auf die Durchführung sofortiger weltweiter und offener Vergleichsstudien von Sputnik Light und anderen Boostern für COVID-Impfstoffe. Alle Bemühungen, diese vergleichenden ‚Mix & Match-Studien‘ aufzuhalten, verzögern das Ende der Pandemie, weil die Vorteile dieses höchst effizienten Ansatzes nicht genutzt werden.“

Zuvor riet das Gamaleja-Forschungszentrum von zu häufigen Auffrischungsimpfungen (etwa wie unlängst von Pfizer alle drei Monate empfohlen) kategorisch ab. Impfungen mit Sputnik V werden empfehlungsgemäß jährlich (mit dem Zweikomponenten-Impfstoff Sputnik V) bis halbjährlich (mit Sputnik Light) aufgefrischt.

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