Zypern, Griechenland und Israel hatten 2020 mit der Unterstützung der EU und der USA ein Grundsatzabkommen für den Bau der Mittelmeer-Gaspipeline „Eastmed“ unterzeichnet. Nun ziehen die USA ihre Unterstützung für die Pipeline zurück. Präsident Erdoğan begrüßt diesen Schritt der US-Regierung.

Die USA haben kürzlich ihre Unterstützung für den Bau der EastMed-Gaspipeline zurückgezogen. Grund dafür sei nach Angaben des US-Außenministeriums, dass sich das Interesse Washingtons nun auf erneuerbare Energiequellen verlagert habe. Von diesem Schritt profitiert nach der Darstellung der griechischen Regierung aber vor allem die Türkei. 

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„Wir setzen uns weiterhin für die Vernetzung der Energie aus dem östlichen Mittelmeerraum mit Europa ein. Wir verlagern unseren Schwerpunkt auf Stromverbindungsleitungen, die sowohl Gas als auch erneuerbare Energiequellen unterstützen können“, heißt es in einer Erklärung des US-Außenministeriums. Die USA unterstützen Berichten zufolge fortan Projekte wie die geplante EuroAfrica-Unterwasser-Stromverbindung von Ägypten nach Kreta und zum griechischen Festland, sowie den Vorschlag einer EuroAsia-Verbindungsleitung, welche die Stromnetze Israels, Zyperns und Europas miteinander verbinden soll.

Die Vereinigten Staaten hätten nach eigenen Angaben ihre Unterstützung für das griechisch-israelische Pipeline-Projekt zurückgezogen, weil sie erkannt hätten, dass es wirtschaftlich nicht tragfähig sei. Das sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Dienstag auf seinem Rückweg aus Albanien. Und er fügte hinzu: „Ohne die Türkei geht das Projekt nicht.“ Der türkische Regierungschef erklärte darüber hinaus, der israelische Energieminister habe seinem Amtskollegen Berat Albayrak seinerzeit einen Vorschlag unterbreitet, und die Türkei und Israel hätten damals durchaus eine Einigung erzielen können.

Zypern, Griechenland und Israel unterschrieben im Januar 2020 ein Abkommen über den Bau der EastMed-Pipeline. Diese galt als ein Projekt von gemeinsamem Interesse für die Energieinfrastruktur in Europa. In einer gut 2000 Kilometer langen Pipeline sollte künftig Gas von Israel über Zypern nach Griechenland gelangen – und anschließend Italien und andere südosteuropäische Länder beliefern. Kritik an dem Bauvorhaben gab es damals vor allem aus Ankara. Dort wurde die israelisch-zyprisch-griechische Allianz als Versuch bewertet, die Türkei einzukreisen. Das Projekt war anfangs von den USA und der EU unterstützt worden, da es „Europas Abhängigkeit“ von russischem Gas verringern helfen sollte. Die türkische Regierung hatte das Abkommen jedoch stets verurteilte und erklärt, dass dieser Deal darauf abziele, die Türkei und Nordzypern zu „isolieren“.

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