Das russische Außenministerium hat einen Bericht der „New York Times“ dementiert, wonach Russland eine Evakuierung seiner Diplomaten aus seinen Auslandsvertretungen in der Ukraine eingeleitet habe. Laut der Behörde läuft die Arbeit in der russischen Botschaft in Kiew routinemäßig.

Am Montag berichtete die US-Zeitung New York Times (NYT) unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten hochrangigen ukrainischen Sicherheitsbeamten, dass seit Jahresbeginn mehrere Dutzend Mitglieder der russischen diplomatischen Missionen in der Ukraine aus dem Land evakuiert worden seien. Demnach hätten bereits am 5. Januar 18 Personen, bei denen es sich hauptsächlich um Ehefrauen und Kinder der russischen Diplomaten handele, die Ukraine in Richtung Russland verlassen. Weitere 30 Personalangehörige der russischen Botschaft in Kiew und des russischen Generalkonsulats in Lwow seien in den darauffolgenden Tagen außer Landes gebracht worden. Die Diplomaten der zwei weiteren russischen Vertretungen in der Ukraine seien zudem angewiesen worden, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten, so die anonyme Quelle des Blattes.

In einer Mitteilung am 18. Januar wies das russische Außenministerium den Zeitungsbericht zurück:

„Die russische Botschaft in Kiew arbeitet routinemäßig.“

Russland dementiert Pläne für Sabotageakte "unter falscher Flagge" in Ostukraine

Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko, kommentierte seinerseits gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraina, dass die Behörde von russischer Seite keine Informationen bezüglich der Evakuierung von Mitarbeitern der russischen diplomatischen Einrichtungen im Lande erhalten habe. Er betonte, dass auch das ukrainische Außenministerium derzeit keine Pläne zur Evakuierung ukrainischer Diplomaten aus Russland habe. Die Botschaft in Moskau, die Generalkonsulate in Sankt Petersburg und Rostow am Don sowie die Konsulate in Jekaterinburg und Nowosibirsk setzten ihre Arbeit „trotz der schwierigen Bedingungen“ ganz normal fort, hieß es.

Der Bericht erschien inmitten von Spekulationen über einen angeblich geplanten russischen Einmarsch in die Ukraine, die seit Ende Oktober in den westlichen Medien verbreitet werden. Vergangene Woche hatte der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, behauptet, den US-Geheimdiensten lägen Informationen vor, wonach Russland Provokationen gegen die Ukraine vorbereite, um einen Vorwand für eine umfassende militärische Invasion zu schaffen. Zuvor hatte der US-Senat außerdem einen Gesetzentwurf über neue Sanktionen gegen Moskau im Falle eines Angriffs auf die Ukraine eingebracht.

Der Kreml hat diese Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen. Der russische Präsident Wladimir Putin hielt vielmehr dagegen, dass aktuell eine Verstärkung der NATO-Aktivitäten in der Nähe der russischen Grenzen zu beobachten sei.

Neue US-Sanktionen gegen Russland könnten Putin persönlich treffen

Angesichts wachsender Spannungen hatte das russische Außenministerium den USA und der NATO im Dezember seine Vorschläge für gegenseitige Sicherheitsgarantien übermittelt. Dazu zählte unter anderem die Nichterweiterung des Nordatlantikpaktes nach Osten, insbesondere durch die Aufnahme der Ukraine und Georgiens. Die Vorschläge wurden am 10. und 12. Januar bei Gesprächen in Genf ausgehandelt. Der Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte die Verhandlungen am Ende jedoch für gescheitert.

Im Anschluss an die Gespräche verbreitete das US-Außenministerium eine Warnung, in der es an die US-Bürger appellierte, aufgrund der vermeintlichen Drohungen seitens Russlands auf Reisen in die Ukraine zu verzichten. Die kanadische Regierung sprach eine ähnliche Warnung an ihre Bürger aus. Außerdem soll Ottawa nach Angaben des Fernsehsenders Global News TV seine Spezialeinheiten in die Ukraine entsandt haben, um bei Bedarf bei der Evakuierung des kanadischen Botschaftspersonals aus dem Land zu vermitteln.

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