Ein Ermittlerteam hat sich sechs Jahre dem Rätsel gewidmet, wer vor über 70 Jahren das Versteck des jüdischen Mädchens Anne Frank und ihrer Familie in Amsterdam den Nazis verraten hatte. Die Antwort stellt jedoch auch eine sehr tragische Geschichte dar.

Laut dem Ergebnis einer sechsjährigen Untersuchung einer Ermittlergruppe soll ein Notar das Versteck des jüdischen Mädchens Anne Frank und ihrer Familie an die Nazis verraten haben. Er sei selbst Jude gewesen und habe damit das Leben seiner eigenen Familie retten wollen.

Zwei Jahre lang hatten sich die Familie Frank und vier weitere Juden in einem Versteck im Hinterhaus in Amsterdam vor den deutschen Nazis versteckt. Doch am 4. August 1944 stürmte ein SS-Kommando das Haus. Die Autorin des weltbekannten Tagebuches über die Schrecken des Holocausts, Anne Frank, starb im Februar 1945 mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

UN-Erklärung gegen Verherrlichung des Nazismus: USA und Ukraine dagegen – Deutschland enthält sich

Mehr als fünf Jahre war ein internationales Cold-Case-Team (Als „cold case“ wird ein ungeklärter Kriminalfall aus der Vergangenheit bezeichnet) der Frage nachgegangen, ob das Versteck zufällig entdeckt oder von jemandem an die Nazis verraten worden war. Gegenüber Journalisten teilte einer der Leiter der Untersuchung, Journalist Pieter van Twisk, mit, die Gruppe hätte im Laufe der Ermittlung insgesamt etwa 30 Theorien überprüft.

Die wahrscheinlichste Antwort ist: Notar Arnold van den Bergh habe den deutschen Besatzern eine Liste mit Verstecken von Juden in Amsterdam übergeben, um seine eigene Familie vor der Deportation zu bewahren. Und auf dieser Liste stand eben auch das Hinterhaus, in dem Anne Frank ihr Tagebuch geschrieben hatte und sich versteckt hielt.

Die Untersucher stützen sich beim Ergebnis ihrer Ermittlung vor allem auf die Kopie eines anonymen Briefes, den Otto Frank im Jahr 1946 bekommen hatte. Darin wird der Name des Notars genannt. Das Original des Briefes ist zwar verschwunden, im Amsterdamer Stadtarchiv fand das Team aber die Kopie.

Der Notar war damals Mitglied des Jüdischen Rates, hatte daher viele Kontakte und war zunächst vor der Deportation geschützt. Doch 1944 fiel dieser Schutz weg, und es drohte auch ihm, seiner Frau und den drei Töchtern die Deportation. Die Familie überlebte.

Keiner der Untersucher will ein Urteil über den Notar fällen. Der ehemalige FBI-Agent, Vince Pankoke, der maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war, sagte diesbezüglich:

„Die einzig Schlechten waren die Nazis. Ohne sie wäre das alles nicht geschehen.“

Auch die Anne Frank-Stiftung warnte demnach vor zu schnellen Schlussfolgerungen, aber lobte die „sehr gute und sorgfältige Untersuchung“. Wichtige Fragen seien jedoch noch offen: Wer hat den anonymen Brief geschrieben und mit welcher Absicht?

Mehr zum Thema – Wiener Gestapochef und SS-General diente zwölf Jahre lang dem BND





Source link