Nach Abschuss von Kampfbomber: Türkei will Russland besänftigen – Moskau bleibt hart

Absturzstelle der Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet: "Unser Freund Russland"

AP/Haberturk TV

Absturzstelle der Su-24 im türkisch-syrischen Grenzgebiet: „Unser Freund Russland“

„Wir haben nicht die Absicht, diesen Zwischenfall hochzuspielen“: Nach dem Abschuss der russischen Su-24 bemüht sich die Türkei um Deeskalation. Aus Moskau sind ganz andere Stimmen zu hören.

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Die Nato sprach davon, US-Präsident Barack Obama ebenso, sein Außenminister John Kerry wiederholte das Wort noch einmal während eines Telefonats mit seinem russischen Amtskollegen: Deeskalation. Das ist es, worauf die internationale Gemeinschaft setzt, nachdem die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien einen russischen Kampfjet abgeschossen hat.

Die Regierung in Ankara unternimmt nun offenbar erste Schritte in diese Richtung und bemüht sich gegenüber Russland um eine nähere Erklärung des Abschusses. Nach dem Zwischenfall seien russische Militärvertreter in das türkische Armeehauptquartier eingeladen worden, hieß es am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme.

Dort sei den Russen erläutert worden, dass eine Einsatzregel befolgt worden sei, weil die Besatzung des Jets nicht auf Warnungen reagiert habe. „Die Nationalität des Flugzeugs war nicht bekannt“, erklärten die türkischen Streitkräfte. Sie versicherten zudem, sich nach dem Abschuss bemüht zu haben, die Piloten zu finden und zu retten. Demnach kontaktierten sie auch das russische Militär, um ihre Bereitschaft zu „jeder Form der Kooperation“ kundzutun.

Schon davor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, die Türkei habe „nicht die Absicht, diesen Zwischenfall hochzuspielen“. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte im Parlament in Ankara: „Russland ist unser Freund und Nachbar. Unsere Kommunikationskanäle sind offen. Aber wie jedes uns freundschaftlich gesonnene Land sollte klar sein, dass unsere Sicherheit auf den Prinzipien von Respekt und internationalem Recht basieren. Es ist normal, seinen Luftraum zu schützen.“

Auf russischer Seite klingt die Bewertung der Lage allerdings anders. Außenminister Sergej Lawrow sprach nach einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu von einer „geplanten Provokation„. Moskau werde gegen die Türkei „keinen Krieg führen“, die Beziehungen aber „ernsthaft überprüfen“.

Laut dem russischen Verteidigungsministerium wurde die Su-24 über syrischem Gebiet abgeschossen. Dabei kam einer der beiden Piloten nach Angaben aus Moskau ums Leben. Außerdem sei ein Soldat bei einem Rettungseinsatz für die Piloten ums Leben gekommen.
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Der überlebende Pilot der Su-24 widersprach türkischen Angaben, wonach es vor dem Beschuss mehrere Warnungen gegeben hatte. „Es gab keinerlei Warnung, keinen Austausch über Funk, keinen Sichtkontakt, überhaupt keinen Kontakt.“ Zudem könne er „vollständig“ ausschließen, dass er in türkischen Luftraum eingedrungen sei, sagte der Pilot in einem von mehreren Fernsehsendern gezeigten Beitrag. Er ist dabei von hinten gefilmt und nicht zu erkennen.

Das türkische Militär veröffentlichte hingegen am Mittwoch eine Tonaufnahme, die die Warnungen beweisen soll. Auf dem Mitschnitt, den die Nachrichtenagentur DHA unter Berufung auf die Armee ins Netz stellte, ist eine Stimme zu hören, die „Change your heading“ („Ändern Sie Ihren Kurs“) ruft.
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Video: Türkisches Militär veröffentlicht Audio-Warnungen

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Russland und die Türkei haben bereits in der Vergangenheit keine gemeinsame Strategie gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gefunden. Der Abschuss des Kampfjets unterstreicht dies nun noch einmal – und gefährdet die Bemühungen von Frankreichs Staatschef François Hollande, der eine breite Anti-IS-Koalition schmieden will. Hollande hatte in den vergangenen Tagen bereits unter anderem mit Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel über den Anti-Terror-Kampf gesprochen. Am Donnerstag will er nun Putin in Moskau treffen.

Vor dem Gespräch betonte der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow, dass Moskau eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus anstrebe. Russland wolle eine „breite Anti-Terror-Front, eine echte Koalition“, sagte Rjabkow der Agentur Interfax. Dazu gebe es keine Alternative.
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Quelle: Spiegel-online vom 26.11.2015

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